BMX-Trip nach Malaga oder die Flucht vor der Kälte

Ruben-Bowl


Warum es sich immer noch lohnt über Malaga und den Ruben-Bowl zu reden.

Malaga ist immer eine BMX-Reise wert – das steht für unsere XsportSister-Mitarbeiterinnen Banû und Jessi seit ihrem ersten Besuch im November 2013 fest. Viele Monate, eine Doktorarbeit und weitere Reisen in das spanische BMX - und Skatepark-Paradies später sind die außergewöhlichen Erfahrungen ihres ersten Trips immer noch wert erzählt zu werden. Vor allem imponierte der von Ruben Alcantara enworfene Bowl, dessen Beton kaum getrocknet war, als die Ladies ihn rockten. Aber lest selbst…

Es begann alles sehr spontan. Ende November 2013 hatten wir das dringende Gefühl Urlaub zu brauchen. Jessi recherchierte locker nach Flügen und entdeckte einen, der uns nicht einmal drei Tage später aus dem nasskalten Deutschland ins sonnige Andalusien entführte. Es war ein ungeahnter Zufall, dass uns unsere kleine Flucht ausgerechnet nach Malaga verschleppte. Damals sprach ich bereits seit Monaten davon, den neuen Bowl dort einmal auschecken zu wollen. Berichte und Fotos unserer Freundinnen Meike, Janine und Lisa von ihrem Urlaub im September – zu dieser Zeit war der Park noch von Bauzäunen umgeben – hatten mich so neugierig gemacht, dass im Grunde klar war: Spätestens im Frühjahr ist das mein nächstes Reiseziel! Dieser Wunsch verfestigt sich insbesondere, nachdem ich mir im Netz noch einen besseren Eindruck von dem Park machen konnte, obwohl der Bowl noch so neu war, dass kaum Informationen zu finden waren. Allein die wenigen Bilder schrieen: Ein MUSS für jeden Bowl- und Flowfahrer!

Transfer by Ruben Alcantara

Nachdem wir unseren Anreisetag entspannt mit dem Bezug unseres Apartments, einer kleinen Erkundungstour der Gegend und einem Urlaubsbierchen am Strand haben verstreichen lassen, machten wir uns am nächsten Vormittag voller Vorfreude direkt auf die Suche nach dem Bowl.

Jessica climbing over the fence

Jessica hatte es zum Glück geschafft in der kurzen Zeit vor der Abreise heraus zu finden, dass der Bowl auf dem Gelände des Parque del Norte, ganz in der Nähe der Universitätsklinik Carlos Haya, liegt. So gelang es uns den Spot fast auf Anhieb zu finden. Auf dem Gelände des Skateparks entdeckten wir den von der in Malaga lebenden BMX-Legende Ruben Alcantara konzipierten Bowl. An ihm ist eine kleine Streetfläche, eine Vert- und eine recht unattraktive Minirampe angegliedert. Im späteren Verlauf, so wurde uns erzählt, sollen dort noch Trails und ein Rampen Setup entstehen. Daher ist der Park auch immer noch nicht offiziell eröffnet und es kann vorkommen, dass man genauso wie die Locals, Ruben eingeschlossen, über den Zaun klettern muss.

Das Kern- und Herzstück des gesamten Skateparks ist mit Sicherheit der Bowl, der im Grunde einzig und allein einen Besuch Wert macht. Sein dominierender Anblick beim Betreten überwältigte uns so sehr, dass wir beinahe weder Ruben Alcantara (my alltime favourite rider) noch seinen Besuch Chris Rigal bemerkten, die sich bei unserem Eintreffen bereits zusammen mit einer kleinen Gruppe Locals mitten in einer entspannten Session befanden. Beim Näherkommen wurden wir locker begrüßt und herzlich willkommen geheißen. Darüber hinaus erhielten wir direkt von dem einen oder anderen – wie beispielsweise. von Javi dem Fotografen – einige Tipps, die uns nicht nur den Einstieg erleichterten, sondern vor allem unmittelbar das Gefühl gaben, ein Teil der Gruppe zu sein.

Chilling with Ruben and friend

Der Bowl selbst ist einfach perfekt! Am treffendsten war wohl der Kommentar einer Horde Engländer bei unserem zweiten Besuch im April, als diese sich nach den ersten Testrunden euphorisch zuriefen: „This bowl is awesome – every transition is just fucking perfect!“ Dass der Park entsprechend Spaß macht und hervorragend gebaut ist, ist ganz klar Ruben zu verdanken. Ihm war es gelungen sich sukzessive in den Planungsprozess einzubringen, nachdem die Stadt Malaga, ungeachtet der spanischen Finanzkrise, endlich den Entschluss gefasst hatte einen Skatepark zu realisieren und für seinen Bau ein solides Budget zur Verfügung stellte. Wie er uns erzählte, lag bereits zu dem Zeitpunkt als er zu dem Projekt dazu stieß, eine andere Planungsskizze vor. Was er darauf zu Gesicht bekam konnte ihn jedoch bereits auf den ersten Blick nicht überzeugen und ließ nichts Großes erwarten. Alarmiert von dem Wissen, dass 80 Prozent der Parks in Spanien beschissen sind und es letztlich das „gleiche kostet es richtig oder falsch zu machen“, gelang es ihm letztlich sich mit viel Engagement soweit in die Planung zu involvieren, dass man ihm die Verantwortung für das gesamte Bowldesign anvertraute. Um dieser Verantwortung gerecht zu werden und das Projekt seinen Anforderungen entsprechend zu realisieren, gründete er eigens dafür seine Firma Soulparks, bei der ihn ein befreundetet Architekt unterstützt. Wenn man den Bowl fährt, spürt man auf Anhieb, dass Rubens gesamte Erfahrungen und seine Leidenschaft Beton-Bowls zu fahren mit eingeflossen sind; alle Obstacles sind perfekt auf einander abgestimmt, die Transitions mit ihren großen Radien sind mellow, jedoch ohne niedrig oder flach zu sein und nirgends ist ein Kink zu spüren oder ein zu weit herausstehendes Coping zu sehen. Eben ‘just fucking perfect’.

Transfer by Banû

Obgleich der Bowl großartig ist und sich perfekt fahren lässt, haben wir doch allein den ersten Tag dafür gebraucht uns allmählich auf ihn einzufahren, da er zum Teil sehr weitläufig ist und eine unendliche Zahl an Lines bereit hält. Über die Woche hinweg lief es jedoch von Tag zu Tag flowiger, so dass uns der Bowl allein in der kurzen Zeit bis zu unserer Heimreise einige unvergessliche Highlight bescherte. ‘La puerta‘ war eines davon. Jessica hatte schon seit der ersten Session darüber nachgedacht, ob sie es einfach wagen sollte. Am Ende haben wir es dann alle zusammen das erste Mal gemacht. Ruben auf dem Skateboard und wir auf unseren Rädern. Jessica war zudem von der riesigen satellitenschüsselartigen Bowlcorner und der Cradel – the Wave – begeistert. Während ich vor allem an den vielen unterschiedlichen Hips und Transfer-Möglichkeiten Freude hatte. Insbesondere die Jumpbox, die sich von allen Seiten als Hip fahren lässt und durch ihre Steile und die geniale Transition absoluten Spinecharakter besitzt, hätte ich gerne genau so eingepackt und mit zurück nach Hause genommen. Darüber hinaus war es großartig Trains zu fahren. Der Bowl gibt das wegen seiner Größe und Vielfältigkeit her.

Train

Vielfalt ist bei diesem Bowl das entscheidende Stichwort. In unserem Interview mit Ruben wurde ganz besonders deutlich, welch großes Anliegen es ihm war einen Bowl mit Nachhaltigkeit zu schaffen, der vom Beginner bis zum Pro eine unendliche Zahl an Möglichkeiten für jeden bereithält. Und wenn ich nun retrospektiv noch einmal über seine Worte nachdenke „to build something you can ride pretty much the rest of your life“, dann hat mich die Fülle an Lines und Herausforderungen, auf die man allein schon in nur wenigen Tagen gestoßen ist, mit am meisten beeindruckt. Nachhaltigkeit ist mit Sicherheit ein Ziel, dem er mit diesem Design gerecht geworden ist.

Jessica, Ruben, Banû – Markit Zero DVD premiere at 4130 BMX Company Shop

Dass uns der gesamte Urlaub letztlich allerdings als ein einziges Highlight in Erinnerung bleiben wird, lag jedoch nicht nur an dem Spot, sondern vor allem an den großartigen Leuten, die wir dort kennengelernt haben. Bereits am ersten Tag trafen wir auf einen weiten Teil der recht überschaubaren ‘Bowl-Szene’. Darunter eben auch Ruben Alcantara, der zu diesem Zeitpunkt Chris Rigal zu Besuch hatte und den Eindruck machte nicht minder über unseren Besuch erfreut zu sein. So wird uns sicherlich unvergesslich bleiben, wie er gegen Nachmittag unseres ersten Tages auf uns zukam, um uns mitzuteilen, dass er mit Chris etwas essen ginge, aber später wiederkäme. Diese vollkommene und natürliche Offenheit setzte sich fort. So luden uns die Jungs am folgenden Tag zur Videopremiere von ‘Mark it Zero’, die am Abend im BMX-Shop stattfand, ein. Javi Ortega hatte uns dorthin mit ins Schlepptau genommen. Dank ihm lernten wir dann nicht nur den kürzesten Weg zum Shop, sondern auch einen weiteren Teil von Malagas BMX-Szene kennen. Im ‘4130 BMX Company‘ Shop trafen wir neben vielen anderen, natürlich auch Pablo Ruiz, der uns so herzlich wie ein altes Familienmitglied in Empfang nahm.

Markit Zero DVD permiere at 4130 BMX Company Shop

Ihm gehört nicht nur der Shop. Seit den Anfängen ist er als Teil der ‘Mafia Bikers Malaga’ (MBM) mit Leidenschaft und Überzeugung bemüht, die BMX-Kultur am Leben zu erhalten. Ein anderes Beispiel für  diesen Spirit ist Yoni Cadenas. Eigentlich aus der Nähe von Tarifa stammend, ist er oft mit den Kids unterwegs und ermöglicht diesen nicht nur an etwas weiter entfernten und entlegeneren Spots zu fahren, sondern ist genauso wie viele andere bemüht Werte am Leben zu erhalten und weiterzugeben. Als Jessica gegen Ende unseres Urlaubs Ruben gegenüber diese außergewöhnlich familiäre Aufnahme und Gastfreundschaft lobend anmerkte, lachte dieser nur und meinte: „This is Spain!“ Der familiäre Umgang miteinander war dort einfach allgegenwärtig und immer wieder besonders schön beim gemeinsamen Fahren zu erleben. Unabhängig vom Niveau der einzelnen Fahrer oder dem Material auf dem sie unterwegs waren konnte man ein großartiges Miteinander wahrnehmen. Ruben bildete in dieser Gruppe keine Ausnahme. So ist es vermutlich nicht weiter verwunderlich, dass wir dorthin zurückehren mussten.

Jessica, Chris, Banû – Markit Zero DVD permiere at 4130 BMX Company Shop

Bei unserem zweiten Besuch im vergangenen April wurden wir regelrecht wie alte Freunde begrüßt. Alex aka Pitu Pitu lud uns unter anderem direkt beim ersten Wiedersehen zu der Jubiläumsfeier seines Geschäfts ein, bei der wir nicht zuletzt Gelegenheit bekamen viele altbekannte Gesichter wiederzusehen.

Da unsere erste Reise Ende November lag konnte man selbst an der Costa del Sol, an der es zu diesem Zeitpunkt im Durchschnitt zwar tagsüber noch 18 Grad waren, dennoch an zwei Tagen den Winter spüren. Stärkerer Wind und gelegentlich kleine Schauer veranlassten uns dazu etwas Streetfahren zu gehen und die Stadt zu erkunden. Wobei für Jessica das Streetfahren weniger Kompromiss war als für mich und ich ihr wohl im Nachhinein danken muss, dass wir ansonsten jeden Tag zum Bowl gepilgert sind. An jenen beiden ungemütlichen Tagen sind wir dann allerdings auf Streetspot-Suche gegangen und am Ende war es uns gelungen, fast alle aus Videos bekannten Ecken und darüber hinaus noch einige neue zu finden. Darunter auch die Malaga-Ditsch, nach deren Besuch wir uns in einem kleinen authentischen Café in unmittelbarer Nähe etwas aufwärmten und mit Churros y Chocolate belohnten.

Jessica in the ‘Wave'

Am Ende war die eine Urlaubswoche einfach viel zu kurz gewesen, da die Zeit durch die vielen Eindrücke und positiven Begegnungen wie im Fluge vergangen war. Die wunderbaren Erinnerungen an diesen Urlaub erleichterten unsere Pläne, sobald wie möglich zurückzukehren. Mittlerweile ist der Ort schon so etwas wie ein zweites Zuhause für uns geworden. Im August sind wir inzwischen zum dritten Mal dort gewesen. Bei unserem letzten Besuch gelang es uns Dank Jessica und Vaqui, einem neugewonnenen Freund, auch einmal eine Reihe anderer Parks in Andalusien rund um Malaga zu besuchen.
Am Ende sind wir uns allerdings darüber einig: Der Bowl in Malaga ist das Ding!

 

Bilder und Text: Banû & Jessica Dielmann

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