BMX in Cologne – auch die Ladies sind eine etablierte Tradition

Siegerehrung: v. l. Luzie Ronkholz (5.), Rebecca Berg (3.), Lara Lessmann (1.), Shanice Silva Cruz (2.)

Siegerehrung: v. l. Luzie Ronkholz (5.), Rebecca Berg (3.), Lara Lessmann (1.), Shanice Silva Cruz (2.)

 

Zum 30. Jubiläum des Kölner BMX Festivals brachten verfrühte Hundstage das Blut der Fahrer und Fahrerinnen im Superbowl zum Kochen. Bei der Premiere der großen, schwarzen Schüssel und den neu getauften BMX Cologne schaute unserer Reporterin Banû Tekir  genau hin. Selber am Start in ihrer Lieblingsdisziplin durch eine Verletzung gehindert, supported sie die wenigen BMX-Fahrerinnen, die sich der neuen Herausforderung stellten, mit dieser vortrefflichen Analyse:

Vom 18. bis 20. Juli 2014 war der Kölner Jugendpark einmal wieder Begegnungs- und Austauschort von BMX-Fahrerinnen aus aller Welt. An diesem Wochenende jährte sich zum 30. Mal, dass man ein internationales Feld an Fahrern und Fahrerinnen dorthin einlud in einem großen BMX-Contest gegeneinander anzutreten. Die traditionsreiche BMX-Veranstaltung fand dieses Jahr allerdings erstmals in einem leicht verjüngten Gewand mit neuem Namen statt. Die BMX Cologne, wie die früheren Masters bzw. Worlds sich nun nannten, präsentierten sich eben nicht nur mit neuem Namen, sondern auch leicht verändertem Konzept. Die Disziplinen Vert sowie Park/Street waren ganz dem Trend der X Games folgend einem Bowl – dem sogenannten Superbowl – gewichen. Der Mutter und dem Vater aller Disziplinen – Dirt und Flatland – war man allerdings treu geblieben; genauso wie der Tatsache den Ladies der Szene eine Plattform zu bieten. So kamen am Contest-Wochenende wieder Fahrerinnen aus der ganzen Welt zusammen, um sich im Superbowl und Flatland miteinander zu messen. Das Feld der Contest-Teilnehmerinnen hatte sich im Vergleich zu den vergangenen Jahren deutlich ausgedünnt. Vanessa Gerner, eine bekannte Mitstreiterin in den vergangenen sechs Jahren, ging sogar schon so weit von einer sich abzeichnenden Regression im Contest-Zirkus der Damen zu sprechen, obgleich sie, wie auch einige hervorragende andere Fahrerinnen, einfach kein Interesse hatten im ‘Bowl’ anzutreten. Selbst die Dominierende der letzten Jahre Camila Harambour hatte es vorgezogen stattdessen dem ‘Daniel Dehrs Action Sports Complex’ (DDASC) in den USA, dem scheinbar neuen Eldorado für Parkfahrer, zu diesem Zeitpunkt einen Besuch abzustatten.

In diesem Jahr fanden die Straight Finals der Girls wieder am Sonntag (Vor-)Mittag statt. Während der Himmel nach zwei fast schon viel zu heißen Contest-Tagen zunächst noch verhangen war, brach spätestens zum Beginn des Superbowl-Wettbewerbs die Sonne vollends über die Mädels herein. Dort wagten fünf Ladies sich der neuen Disziplin zu stellen. Lara Lessmann, Rebecca Berg, Shanice Silva Cruz, Analia Zacarias und die jüngste Teilnehmerin Luzie Ronkholz traten um die Freestylekrone im Superbowl an.  Katherine Dias hingegen, die eigens für die BMX Cologne aus Venezuela angereist war, sollte dies auf Grund eines Zusammenstoßes im Training am Freitag, der ihr eine Gehirnerschütterung samt einer Nacht zur Beobachtung im Krankenhaus bescherte, nicht vergönnt sein. Sie konnte am Sonntag daher leider nur als Support der Mädels von der Tribüne aus teilnehmen.

Lara, die Dritte des Vorjahres, entschied dieses Mal den Contest für sich. Man sah ihrem Fahren deutlich an, dass sie Spaß am Bowl und der damit

verbundenen Herausforderung hatte ihr Trickrepertoire als Air- und Transfervarianten zu demonstrieren. Ihr schöner flowiger Fahrstil, der sich schon im Jahr zuvor deutlich abzuzeichnen begann, kam ihr dabei zu gute. Sie nutze den gesamten Bowl, inklusive der darin integrierten Braun-Spine und zeigte dem Publikum unter anderem schöne One Foot Can Can Airs und No Foot Can Can Transfers über die Hips sowie auch einen Barspin Air und Truck auf den Tabel. Die Queen of Liptricks – Rebecca Berg – war mit Sicherheit in diesem Jahr die größte Überraschung. Sie, obgleich zunächst selber skeptisch über das Format des neuen Austragungsorts, überzeugte neben ihrem Liptrickprogramm, angefangen bei Tailtaps, über Abubacca bis hin zu einem Pedal Feebel to 50/50 Stall, vor allem dadurch, dass sie auch über hervorragende Bowl-Skills verfügt. Ihr gelang es wie keiner anderen Druck und Geschwindigkeit im Bowl aufzubauen, indem sie die Schüssel rundherum auscarvte, und zum Abschluss mit einem gelungenen Manual über den gesamten Table um die Extension herum ihre beiden Stärken kombinierte. Am Ende Platz 3. Die Silbermedaille holte sich Shanice Silva Cruz aus den Niederlanden.Einen Contest im Bowl auszutragen, der im Grunde abwechselungsreicher Lines bedarf, um im Fluss zu bleiben und Geschwindigkeit wie auch Ruhe zu bekommen, lagen, wie man dem Fahren der Holländerin ansehen konnte nicht ganz in ihrem Komfortbereich. Sie nutze das Konstrukt eher wie eine Mini und feuerte wo sie nur konnte vor allem Table- und X-up Airs heraus sowie auch einige Schmankerl auf den Table – darunter ein Backflip-Versuch. Den zweiten Platz hat sie sich aber mit Sicherheit dadurch gesichert, dass sie mit einem gestandenen Flair einmal wieder Contestgeschichte in Köln geschrieben hat. Die beiden verblieben Plätze gingen an Analia Zacarias aus Argentinien und die kleine Lokalmatadorin Luzie Ronkholz. Während Analia als einzige Starterin im Feld den volcanoartigen Fortsatz der Spine sowohl regular als auch opposite transferierte, überzeugte Luzie mit Airvarianten (One Handed, Tiregrap, E.T.). Und beide nutzten, wie die meisten Teilnehmerinnen, die Table des Bowls für den einen oder anderen Flyout-Trick.

Im Anschluss an das ‘Superbowl’-Finale der Girls folgte erstmals mit einem sinnvollen zeitlichen Versatz, der es einem möglich machte der Königsdisziplin in Sachen Radkontrolle und Kreativität beizuwohnen, der Contest der Flatland-Fahrerinnen. Das Flatland Final der Girls schien zunächst allerdings auf Grund einer nicht ausreichenden Anzahl an Teilnehmerinnen auf der Kippe zu stehen; es war zwischenzeitlich aus dem Timetable der Veranstaltung verschwunden. Doch mit etwas Unterstützung aus dem Bowl in Form von Shanice Silva Cruz fanden sich am Ende drei Starterinnen zusammen, so dass der Contest dann letztlich doch stattfinden konnte. In Verbindung mit der immer so außergewöhnlichen Stimmung beim Flatland wurde diese kleine aber feine Austragung der Ladies am Boden zu einem wahren Spektakel. Jede wurde vom Publikum lautstark unterstützt. Dabei waren es aber wohl gerade die gelungenen Combos von Irina Sadovnik aus Österreich, die in Begeisterung und Staunen versetzten und ihr den ersten Platz sicherten.

Siegerehrung-Flatland: Mitte Irina Sadovnik (1.) – Quelle: 3 Gunna Photography

Siegerehrung-Flatland: Mitte Irina Sadovnik (1.) – Quelle: 3 Gunna Photography

Am Ende des Wochenendes waren sich im Grunde einmal wieder alle darüber einig, dass es eine gelungene Veranstaltung in heiterer Atmosphäre war, die kaum, dass sie zu Ende war schon Vorfreude auf das nächste Jahr entstehen ließ, auch wenn die Tribünensituation, die der Bowl erforderlich gemacht hatte und die alles ein wenig verschlossener wirken ließ, etwas von der Entspanntheit und Offenheit der früheren Jugendpark-Events geraubt hatte. Die kommende BMX Cologne darf auf jeden Fall und das nicht zuletzt auch im Hinblick auf die Ladies, mit Spannung erwartet werden. Denn ungeachtet, ob sich der Trend fortsetzen und der Veranstalter das Konzept des Bowls beibehalten wird, hat der Contest gezeigt, dass die Fahrerinnen der Szene über zum Teil sehr gute Bowl-Skills verfügen und sich keine vor den damit verbundenen neuen Herausforderungen zu scheuen braucht. Jede einzeln Teilnehmerin hat letztlich eine hervorragend Performance geboten und so wäre es schön, wenn mehr Damen Gefallen am Bowl-Fahren fänden, so dass im kommenden Jahr hoffentlich wieder mehr Fahrerinnen begrüßt werden können. Allerdings wäre es dann wohl auch einmal angebracht den Starterinnen 1 bis 2 Stunden Trainingszeit am Donnerstag im Open Pracitse einzuräumen, denn ein ordentlicher Bowl hat deutlich mehr Anspruch als ein Park und bedarf stets etwas mehr Zeit und Hingabe gute und brauchbare Lines zu finden und umzusetzen, es sei denn man möchte kein Bowl- sondern Park-Fahren im Bowl dargeboten bekommen. Schließlich hat der Event aber eines wieder verdeutlicht – die Mädels sind zu einem festen, nicht mehr wegzudenkenden Bestanteil der Szene geworden.

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