Rollerderby – Berlin Bombshells gewinnen Deutsche Meisterschaft

28.bis 30. Juni 2013. Eissportzentrum Waldau, Stuttgart.
10 Damenteams kamen am vergangenen Wochenende in der Eissporthalle Stuttgart zusammen, um die erstenoffiziellen deutschen Meisterschaften im Rollerderby untereinander auszutragen. Nach 2×30 Minutensiegten die Berlinerinnen von Bear City Roller Derby alias Berlin Bombshells mit 235:86 Punkten, während die Stuttgart Valley Rollergirlz diesmal auf den zweiten Platz rutschten.
2010 hatten sie immerhin die erste inoffizielle deutsche Meisterschaft geholt – da gings in Berlin rund. Und das sollte nur ein Vorbote der nun folgenden Institutionalisierung sein, die dem Sport hoffentlich auch in Zukunft nichts vom charmanten DIY-Charakter nehmen wird. Denn  600 Zuschauer waren das gesammte Wochenende bis zur letzten Minute begeistert von der brodelnden Atmosphäre in der Halle, dem stimmungsvollen Einzug beider Mannschaften und dem darauf folgenden, packenden Match dieses bisher noch einzigen Vollkontaktsports unter Frauen. Jeder einzelne Punkt wurde hart erspielt. Nicht zuletzt machten die 80 ehrenamtlichen Helfer die Austragung erst möglich – da waren auch noch Viva con Agua und Stände an denen die Besucher T-Shirts der Teams kaufen sowie Rollschuhe ausprobieren konnten. In welchem Sport sonst feuert ein Fanblock sonst bitte die gegnerische Mannschaft derart an? Die Maskottchen heizten den Zuschauern ein, trugen sich Fahne schwenkend gegenseitig huckepack hin und her – Kollegialität pur, übrigens auch unter den Spielerinnen. Natürlich durfte dabei auch der Punkrock als musikalischer Rahmen nicht fehlen. Viele Blocks und Bodychecks später lagen sich die Gegnerinnen völlig entkräftet und unter Tränen in den Armen.
Der rasant wachsenden Sport wurde in Europa 2006 von einer handvoll StuttgarterInnen ins Leben gerufen, die zeitgleich zu ein paar Mädels aus London anfingen erste Spiele und Strukturen zu etablieren. Bei den Stuttgarterinnen fing alles mit einem amerikanischen Plakat und Diskorollern an. In den USA hatte der Sport bis dato längst etabliert – dementsprechend viel höher ist auch heute die Anzahl der Vereine und Mannschaften. Doch Europa holt auf. Während 2010 bei den inoffiziellen Meisterschaften nur circa 5 Mannschaften teilnahmen, waren es an diesem Wochenende immerhin 10. Das besondere des Vollkontaktsports: Rollerderby ist von Frauen für Frauen gemacht und aufgebaut worden, for skaters, by skaters. Natürlich ist es ganz anders anzusehen wie das so genannte Merby – das Men´s Rollerderby – das zum einen lang nicht die Fangemeinde hat und allein durch die Körperlichkeit einen völlig anderen Charakter erhält, erklärt Polly Purgatory – die Jamerin der Stuttgarter Rollergirlz mit der Nummer 13. „Der Sport ist eine richtige Frauendomain. Von Anfangan haben wir es so gemacht, wie wir es für richtig hielten, ohne dass uns jemand reingeredet hat. Natürlich werden wir auch zunehmend professioneller, weil wir schließlich mithalten wollen. Trotzdem hoffen wir, dass wir das Drumherum so beibehalten können.“ In den Staaten und England ist das Niveau noch um einiges höher, da der Disziplin in diesen Ländern auch eine Tradition zugrunde liegt, die sich auf den 24 Stunden Rennen der 30er Jahre in den USA begründet. Europa hat da noch einiges aufzuholen und gerade auch unter den deutschen Teams sei das Gefälle ziemlich groß, weil viele jetzt erst anfangen sich offiziell zu messen. Um das Niveau jedoch zu verbessern, bedarf es jedoch der passenden Infrastruktur. “Es wäre schon gut mindestens 3 x die Woche eine Halle zu haben, die es den Spielerinnen ermögliche das ganze Jahr hindurch zu trainieren”, so P.Purgatory. Abstand nehmen möchte sie von den gängigen Klischees der Bier trinkenden Mädels in Netzstrümpfen und Miniröcken. „Natürlich zählt der Spaß, aber es ist eben auchein richtig harter Sport, für den wir über Monate intensiv bis zu viermal Mal die Woche trainieren: Krafttraining, Ausdauer, Strategie – sonntags können das schon mal 4 Stunden werden-natürlich neben der Arbeit. Manche von uns haben auch schon Kinder – aber heute gehen wir feiern, das ist doch klar.“ Die Jamerin der Rollergirlz hatte heute ihr erstes Spiel seit langer Zeit. Denn aufgrund eines verdrehtem Knies konnte sie die vorangegangenen drei Monate nicht dabei sein. “Letzes Jahr erst wurde Rollerderby vom ansässigen Verband als eigene Sparte anerkannt”", erzählt sie, und es gibt eine Kommission, in der Vereinsvertreter aus ganz Deutschland zusammen kommen.” Weltweit wird nach dem von der USA vorgegebenen Regelwerk gespielt, der WFTda – Women´s Flat Track Derby Association. Anbei die…

 

Ergebnisse der Qualifikation:  
( 160 : 132 ) Essen vs. Hamburg
( 265 : 51 ) Köln vs Frankfurt
( 325 : 64 ) K’lautern vs. Ludwigsburg
( 78 : 169 ) München vs Karlsruhe
( 279 : 85 ) Frankfurt vs. Ludwigsburg
( 42 : 325 ) München vs. Hamburg
( 360 : 84 ) Stuttgart vs. Karlsruhe
( 134 : 248 ) Köln vs. Hamburg
( 89 : 219 ) Karlsruhe vs. Frankfurt
( : ) vs.
( 368 : 54 ) Berlin vs. Köln
( 235 : 86 ) Stuttgart vs. Essen
( 318 : 18 ) Berlin vs. K’lautern
( 111 : 288 ) Frankfurt vs. Hamburg
( 238 : 92 ) Essen vs. K’lautern
( 243 : 84 ) Berlin vs. Stuttgart

 

 

Die Regeln:

Roller Derby wird auf Rollschuhen ausgeübt und ist eine Art aggressives Rollschuh-Rennen auf einer ovalen Bahn. Das Spiel besteht aus einem umfangreichen Regelwerk, das auf www.wftda.com eingesehen werden kann. Grob zusammengefasst läuft das Spiel wie folgt: Zwei Teams treten gegeneinander an. Ein Team besteht aus maximal 14 Spielerinnen. Pro „Jam” (Spielrunde) und Team können maximal fünf Spielerinnen aufgestellt werden, jedoch nur eine von ihnen, der Jammer, kann Punkte holen. Die zwei rivalisierenden Jammer starten hinter dem „Pack”, bestehend aus zwei mal 4 Blockern. Jeder Jammer muss versuchen, sich ihren Weg durch das Pack zu bahnen, wobei die Aufgabe der Blocker darin besteht, es ihrem eigenen Jammer so einfach wie möglich zu machen und es dem gegnerischen Jammer hingegen schwer zu machen, sie zu „blocken”. Diejenige, die es zuerst durch das Pack schafft und dabei alle Blocker legal überholt, wird Lead-Jammer. Sie hat die Möglichkeit, das Spiel vorzeitig abzubrechen, sollte es taktisch von Vorteil sein, denn Punkten können beide Jammer. Sie signalisiert den Abbruch, indem sie mit den Händen auf ihre Hüften klopft. Für jede überrundete Gegnerin gibt es einen Punkt. Stürze und kleine Rempeleien sind hierbei vorprogrammiert und bilden die Highlights. Das Spiel besteht aus zwei 30-minütigen Halbzeiten, in denen so viele 2-minütige „Jams” wie möglich gefahren werden.

 

Am 14.7. ab 14 Uhr können Interessierte im Training der Stuttgart Valley Rollergirlz reinschnuppern:

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Für weitere Informationen geht auf

http://www.rollergirlz.de

 

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