Patricia Marek – symphatische Spätzünderin

Frontside Lipslide im Snowpark Kaunertal / Photo: Stefan Eigner "eignerphoto"

Frontside Lipslide im Snowpark Kaunertal / Photo: Stefan Eigner "eignerphoto"

Patricia Marek bezeichnet sich selbst als Spätzünderin in Sachen Snowboard Freestyle. Dennoch hält sie ihr Materialsponsor Snowlab für eine kompetente Botschafterin. Und auch die Macher des Videos Crystalised fanden sie goldrichtig besetzt als einziges Mädel in dem aufwendig gestalteten Snowboardclip. Am Berg begegnet sie gerne auch Frauen. So besucht die 27-jährige Allgäuerin vor allem Contests, um andere Boardsport begeisterte Frauen kennen zu lernen.
Über Ihre Leidenschaft, den weiblichen Nachwuchs und unterschiedliche Herangehensweisen berichtet die sympathische Boardsportlerin im XsportSisters-Interview.

Dein letztes Wochenende im Schnee…
…war sehr abwechslungsreich. Samstag hatte es super viel geschneeregnet. Da bin ich nach Grasgehren zum Rail fahren und Tricks üben. Das ist einer der besten Funparks im Allgäu.
Am Sonntag hab ich den Schnupperlehrgang „Sprungbrett“ von Nicola Thost spontan ausgeholfen. Das ist für Kinder das „Sprungbrett“ ins professionelle Lager, um sie an Freestyle und Slopestyle heran zu führen. Es war toll mit den Kleinen. Da waren bei den ganz jungen Teilnehmern überwiegend Mädchen dabei. Das sind richtig taffe Mädchen. Total cool, dass die einfach Spaß dran haben, ohne es so verbissen zu sehen.

Patricia Marek / Photo: Clemens Paul

Patricia Marek / Photo: Clemens Paul

Dein Stand der aktuellen Saison? Du hattest ja gerade Premiere mit dem Video Crystalised …
… das Video ist letzte Saison entstanden. Die Premiere war total aufregend. Die erste Vorstellung war in Schorndorf bei Stuttgart. Es hieß, es sei eine Mini-Premiere und dann war in dem Kino eine Riesenleinwand. Da dachte ich, ich verkrieche mich gleich mal in den Sessel. Doch dann sollten alle Jungs nach vorne und es gab Rufe nach dem Mädel. Da war es vorbei mit der Tarnung. Da war ich fast aufgeregter als die Jungs. Ich hab mich dann zwischen sie gestellt. Das sind alles Kumpels. Dann passt´s schon.

Du bist die einzige weibliche Fahrerin in dem Film …
in Planung war noch ein anderes Mädchen, aber bei ihr passten die Drehtermine nicht. Mit ein paar der Jungs, die dabei waren, habe ich meine ersten Parktricks gelernt. Die kamen letztes Jahr im Herbst auf mich zu, sie hätten mich gerne als Teamfahrerin dabei.

Machst Du in vielen Filmprojekten mit?
Ich werde wieder mit den Crystalised-Jungs filmen gehen. Da freu ich mich schon drauf, weil’s jedes mal ne morz Gaudi ist und ich immer wieder neue Sachen ausprobiere, die ich mich sonst nicht traue.

Fährst Du viel mit Jungs?
Angefangen hab ich mit einer Freundin. „Probiert es halt einfach aus!“ kam als einziger Tipp von den Jungs. Wir haben uns gegenseitig versucht etwas beizubringen. Wenn der Lift aus war, dann haben wir ohne männliche Zuschauer geübt.
Später war ich auch oft mit Jungs unterwegs, die mich auch zum Railfahren motiviert haben. Es sind einfach nicht immer Mädels am Berg, aber mit Mädels fahren ist einfach cool. Man fährt anders zusammen. Das ist eine Wohlfühlumgebung, in der man einfach Tricks ausprobiert. Unter Frauen kann man sich anders motivieren, denn was andere Mädels können, kann man vielleicht auch.

Es scheint manchmal nicht so einfach gleichgesinnte Frauen zu finden…
Es ist immer schön, wenn Frauen am Berg sind. Da ist aber auch Offenheit gefragt. Um sich anzusprechen, musst du über deinen Schatten springen. Ich bin deswegen gerne auf Contests, um andere Mädels kennen zu lernen, mit denen ich mal fahren gehen kann. Oft ist man auch etwas schüchtern.

Frontside Lipslide in Grasgehren beim PBRJ / Photo: Max Born

Frontside Lipslide in Grasgehren beim PBRJ / Photo: Max Born

Du bis keine passionierte Contest-Fahrerin. Wo liegen Deine Ziele?
Ich will mit Freunden eine schöne Zeit verbringen, unverletzt durch die Saison kommen und ein paar neue Tricks lernen.
Ich mache gerade auch eine Lawinenschulung. Ich hab jetzt die Ausrüstung mit Schaufel, Piepser und Sonde, damit ich mich sicher im Outback bewegen kann und auch besser Gefahrensituationen erkenne. Das ist natürlich auch für Filmprojekte cool. Mich reizt es immer mehr, abseits der Pisten zu fahren.

Du bist Snowboard-Lehrerin und coacht gelegentlich…
Letztes Jahr habe ich zum ersten Mal „offiziell“ Freestyle Snowboarding bei „Girls rock the Park“ gecoacht. Das hat mir super viel Spaß gemacht und es ist toll zu sehen, wie Mädels neue Tricks dazu lernen und dabei gemeinsam eine tolle Zeit am Berg haben.

Lernen Frauen anders?
Definitiv! Für Frauen ist die Umgebung unheimlich wichtig – vertraute Menschen in einer vertrauten Umgebung. Da bleibt am meisten hängen. Anders als in einem fremden Park. Da hat man zwar viel Adrenalin, traut sich einiges, lernt aber nicht so viel. Für mich ist wichtig eine gute Erklärung, die nachvollziehbar ist. Der Spruch „Mach einfach!“ hilft mir selten. Da sind Antworten auf Fragen wichtig, wie: Mit wie viel Speed fahre ich ein Hindernis an? Wie verlagere ich das Gewicht? Wie mache ich meine Kurve? Frauen brauchen häufig mehr Erklärungen, weil sie sich einen größeren Kopf machen. Oft hilft ein Verbesserungsvorschlag mehr als eine reine Fehleranalyse.

Ist es vor allem als Frau schwer heute einen Sponsor zu finden?
Mit meinem Alter ist es schon schwierig. Wenn, dann muss man früher anfangen. Ich bin ein Spätzünder und hab zwar einen großen Schub gemacht, aber die meisten suchen eher ein Nachwuchstalent. Da habe ich richtig Glück mit meinem Sponsor „Snowlab.de“ und fühle mich dort gut aufgehoben, weil ich einfach ich selbst sein kann und so den Shop am besten repräsentieren kann.

Backside Boardslide im Crystalground Snowpark / Photo: Clemens Paul

Backside Boardslide im Crystalground Snowpark / Photo: Clemens Paul

Du hast als Grafikdesignerin einen kreativen Beruf und eine kreative Ader. Wie wirkt sich das auf Deinen Style aus?
Ich hol mir beim Snowboarden viele kreative Anreize. Ich bin gerne in der Natur mit dem Snowboard, das ist der Ausgleich.

Dein Lieblingsspot?
Crystal Ground Snowpark im Kleinwalsertal. Das ist nur auf den ersten Blick ein kleiner Park auf Liftlänge. Der Park hat diverse Obstacles in unterschiedlichen Lines. Zudem ist es super, dass er im Tal liegt und man schnell nach der Arbeit noch ein paar Runs machen kann. Meine Aufnahmen des Crystalised-Videos sind in und um den Crystal Ground Park entstanden.

Deine Lieblingsdisziplin?
Rails fahre ich am liebsten, Boxen überhaupt nicht. Gerne fahr ich auch Kicker, da ist allerdings die Auswahl an guten Kickern im Allgäu nicht so groß – häufig fehlt dazu Platz und Schnee. Dafür sind die Rails gerade in Grasgehren und im Crystal Ground immer top geshaped.

Wie bekommst Du Beruf und Sport in Einklang?
Ich habe einen verständnisvollen Arbeitgeber, der meinen sehnsuchtsvollen Blick nach draußen versteht und mir spontan das Boarden ermöglicht.
Ich vermisse die Zeit vom Studium schon sehr. Da konnte man sich die Zeit einfach besser einteilen und die Studienarbeiten auf abends verschieben. Jetzt komme ich meistens nur noch am Wochenende zum Shredden und versuche so mich unter der Woche zum Beispiel mit joggen fit zu halten, es ist mir einfach wichtig, mich nicht zu verletzen.

Was ist Dein nächstes Highlight?
Auf was ich mich sehr freue, sind die Jibdays vom 2.-3. März 2013. Das Event findet im Crystal Ground Snowpark statt und ist ausschließlich von und für Mädels. Da kommen viele Mädels aus Deutschland, Österreich und Schweiz zusammen, um gemeinsam zu fahren. Ich bin schon gespannt, wie das extra dafür aufgebaute Setup sein wird, welche Mädels am Start sind und was die Veranstalterinnen für dieses besondere Wochenende geplant haben. Ich freu mich schon drauf!
http://crystalground.com/events/maerz_2013/jibdays_2013.php 2.-3. März

Patricia Marek

geb. 14. Oktober 1985

wohnhaft: Oberstdorf

Profession: Grafikdesignerin

Leidenschaft: Snowboarden

Sponsor: snowlab.de online-Vertrieb

5050 an einem Streetrail im Kleinwalsertal / Photo: Felix Pfleiderer

5050 an einem Streetrail im Kleinwalsertal / Photo: Felix Pfleiderer

 

About Heike Müller