Cologne Circle – Im Wirbelsturm des Respekts

Staunen & Respekt für B-Boy & B-Girl-Athletik Fotos: Lilian Muscutt

Staunen & Respekt für B-Boy & B-Girl-Athletik Fotos: Lilian Muscutt

Am Samstag, 27. Oktober 2012, ist es wieder soweit und das Cologne Circle findet statt!
Als Appetitanreger hier noch einmal die Reportage die Reportage von 2011 unserer XsportSister Lilian Muscutt!
Das diesjährige Programm findet Ihr im Anhang!

Der nächste Kampf steht an. Im Licht der Scheinwerfer treten zwei kleine Jungen aus der dicht aneinander gedrängt auf dem Boden sitzen Menschenmenge hervor und schreiten auf die Tanzfläche. Sie begrüßen Ihre Gegner mit Handschlag. Die sind einige Köpfe größer und um Jahre älter. Aber das spielt bei diesem Kampf keine Rolle. Breakbeats erschallen durch die feucht/warme Luft. Der Battle beginnt.

Die „Breakdance Brothers“ sind unter 80 Teilnehmer/innen aus ganz Deutschland, die beim „Cologne Circle“ und dem Nachwuchs-Battle „YBE“  in der Offenen Tür Nippes antreten. Rund 300 Menschen strömen an diesem Tag in das Jugendzentrum an der Werkstattstraße. „Breakdance Brothers, c’mon!“, ruft der Host (= „Moderator“), als einer der Jungs im Tanz zwischen den gegnerischen Crews einen Kopfstand mit gegrätschten Beinen macht und sich dreht. Applaus und Rufe aus der Menschenmenge. Dann ist wieder ein Gegner dran, wirbelt über den Boden, stellt sich auf die Hände. „3, 2, 1!“, schreit das Publikum den Countdown der Jury entgegen. Die macht ein Handzeichen. Die „Breakdance Brothers“ haben es nicht in die nächste Runde geschafft. Respekt ist ihnen dennoch sicher.

„Es ist respektlos, wenn Mädchen halbnackt durch die Videos hüpfen.“
Respekt bilde die Basis der Hip-Hop-Kultur, erklärt Organisatorin und B-Girl Frieda Frost (27), die über das Breaking ihre Diplomarbeit schreibt. „Wenn du andere Menschen nicht respektierst, wirst auch du nicht respektiert“, laute eine der Regeln dieser Jugendkultur, die Anfang der 80er Jahre aus den USA nach Deutschland kam und vier Säulen hat: Rap, DJing, Graffiti, Breaking. Im Mainstream-Hip-Hop regiert jedoch Chauvinismus. „Es ist respektlos, wenn Mädchen halbnackt durch die Videos hüpfen.“ Ein Grund, weshalb sich die Studentin mit ihrer Frauen Crew „Dirty Mamas“ vom Mainstream distanziert.

Respekt scheint das mehrstöckige Jugendzentrum an diesem Tag regelrecht zu durchfluten. Überall herrscht reger Betrieb: In den Fluren und Trainingsräumen tanzen junge Männer und  Frauen – einige, um sich auf ein Battle vorzubereiten, stets unter der Beobachtung der Anwesenden. „Wir ziehen aus solchen Events Inspiration für unser Training“, erläutert Frieda Frost. Das Lernen voneinander stehe im Mittelpunkt.

Diese Breakerin aus Spanien macht einen Freeze auf zwei Händen, als in der Pause einfach weiter getanzt wird. Foto: Lilian Muscutt

Diese Breakerin aus Spanien macht einen Freeze auf zwei Händen, als in der Pause einfach weiter getanzt wird. Foto: Lilian Muscutt

Studentin Joanna Walter (21) aus Köln-Kalk macht im Flur Dehnübungen, tanzt mit Tinka und Elke aus ihrer Crew „Power Puff B-Girls“. Die Gruppe haben sie erst einen Tag  zuvor gegründet, um beim Battle antreten zu können. Eine Teilnahme ohne Partner ist nicht erlaubt, das Veranstalter-Team will junge Leute dazu bewegen, Crews zu gründen.

Die Aufregung ist riesig. Gleich werden die drei jungen Frauen gegen drei Jungs battlen (Disziplin: 3on3), die mehr Tanzerfahrung haben. Das kostet Mut. Sie wolle andere Frauen dazu bewegen, sich zu trauen, sprudelt Joanna drauf los. Mehr Mädchen sollten in der von Jungs dominierten Szene sichtbar werden und andere motivieren, früh genug mit dem Sport anzufangen. „Ich habe mit sieben Jahren einen Breakdancer auf der Straße gesehen und fand das cool, habe aber erst zehn Jahre später damit begonnen. Das ärgert mich!“ Der Mut lohne sich. Auf Battles lerne sie viel, erlebe Wertschätzung. „Das ist ein tolles Gefühl.“

Auch andere B-Girls preschen nach vorn. In der Pause tanzen Mädchen drauf los, Corinna Carmen Braun aus Spanien macht einen Freeze auf zwei Händen (Handstand). Im Battle fordern Jilou Rasul (18, Köln), Anna Brower (19, Bielefeld) und Loopi Wein (21, Jena) von der Crew „How I met a B-Girl“ die Jungs heraus, provozieren ihre Gegner mit witzigen Gesten, beeindrucken mit ihrer Energie und Gelenkigkeit. Am Ende des Wettkampfs gewinnen die Crew Osnabrooklyn aus Osnabrück (3on3) und Wal-D aus der Crew Masterplan (7 to Smoke).

Das „Cologne Circle“ findet seit 2005 regelmäßig statt, dank Ehrenamtlern wie Frieda Frost. Auch Jugendliche packen mit an, helfen als Ordner, arbeiten an der Garderobe, verkaufen Getränke und Snacks. „Sie sind auf diese erfolgreiche Veranstaltung sehr stolz“, berichtet Johannes Rix (44), Sozialarbeiter und OT-Mitarbeiter. Der Schriftzug auf dem Gebäude unterstreicht die Stimmung, die an diesem Tag zu spüren ist: „You got my back.“ Das heißt: „Ich stehe hinter dir”.

 

Programm Cologne Circle:

- Der WORKSHOP bei BBoy Yoriyas findet von 13-14.30h statt. Anmeldung läuft noch bis morgen unter bdcteam@web.de.
Kosten: 8€ Voranmeldung/ 10€ vor Ort. Wer dabei sein will sollte zwischen 12.30 und 12.45h vor Ort sein! Flyer im Anhang.
 - 14.30 offizieller Einlass für Cologne Circle (3€)
 - Von 15-16.30h findet die Discussion Round statt, mit Yoriyas/ Marokko, Sania/ Ukraine und Ju One/ Ungarn. Sie werden über die Unterschiede der Breakdance-Szenen in ihren Ländern erzählen und Clips zeigen.
 - 16.30 – 19h Junior Battle 2on2 (Anmeldung ist ab 16h vor Ort)
 - 17-18h Registrierung für das 1on1 (alle die angemeldet sind müssen sich hier registrieren dass sie da sind)
 - 19h Vorstellung Jury, DJ, Host
- 19.15h Preselection 1on1 Battle
 - 23h ENDE

 

Veranstaltungen

● „YBE“ – Battle für den Nachwuchs, findet drei bis vier Mal im Jahr in der OT Nippes statt, nächster folgt im Frühjahr, Anmeldung: ot@ot-nippes.de, Tel. (0221) 733699, http://www.ot-nippes.kirche-koeln.de/public_html/www/index.php

● Sponsoren gesucht, die Veranstaltungen werden von wenigen Ehrenamtlern gestemmt, Mittel (z.B. für Technik, Honorare für DJs/Moderatoren) sind knapp. Die Teams freuen sich über Sponsoren, Auskunft bei Frieda Frost, http://www.facebook.com/breakdecologne

Begriffe

Breaking / Breakdance“: Tänzer (B-Boys) und Tänzerinnen (B-Girls) sprechen lieber vom „Breaking“. „Breakdance“ wird oft als Modebegriff empfunden.

● „7 to Smoke“. Bei dieser Disziplin treten acht Personen gegeneinander an. Eine Person tanzt jeweils gegen eine andere. Jeder Sieg bringt einen Punkt. Battle dauert so lange, bis eine Person sieben Punkte hat. Kurze Tanzeinlage (ca 30 Sekunden). Jury entscheidet sofort, wer weiter kommt. Diese Person muss sofort weitertanzen. Viel Kondition gefragt.

● „3on3 Crewbattle“: Jede Crew besteht aus drei Personen. Diese tanzen gegeneinander im K.O.-System.

● „2on2 Junior Battle“: Ein Kids Battle bis 18 Jahre. Teams bestehen aus zwei Tänzern/Tänzerinnen, sie tanzen im K.O.-System gegeneinander.

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