MTB-Seminare: Übung macht die Meisterin

Wer einen Drop meistern will, muss in der Lage sein, das Vorderrad ordentlich hochzuziehen. Tine macht's vor. Foto: L. Muscutt

Wer einen Drop meistern will, muss in der Lage sein, das Vorderrad ordentlich hochzuziehen. Tine macht's vor. Foto: L. Muscutt

Das Power Flower Team bietet auch 2012 Fahrtechnik-Seminare für Mountainbikerinnen an. (Termine am Ende des Artikels). XsportSisters waren im vergangenen Jahr in Winterberg, um ein Seminar zu testen.

Von Lilian Muscutt

Die Theorie klingt einfach – auch für Mountainbikerin Carmen Gottwald (34). Erst soll sie anfahren, sich dann vor dem Sprunghügel klein machen, hochfahren, oben an der Kante den Körper strecken und dabei das Rad hochziehen. Doch dieser erste Schritt, einen Sprung auf dem Mountainbike zu meistern, mag nicht gleich gelingen. Die Solingerin streckt den Oberkörper nicht weit genug, auch das Hinterrad hebt nicht ab. „Das ist echt furchtbar“, ruft die ehrgeizige Solingerin geknickt, als sie geschwitzt den staubigen Start-Hügel der Dirtanlage im Bikepark Winterberg hochfährt, um erneut anzufahren.

Auf den Strecken des Bikeparks mag es zwar leicht fallen, über kleine Hügel zu springen, erklärt Sonja Granzow (32) vom Mountainbike-Team „Power Flower“. Doch der Eindruck trügt. Nicht selten leistet der nötige Schwung die Arbeit statt fahrtechnisches Können. In anderen Worten: Abheben kann jeder. Nicht so bei einem über zwei Meter hohen Table (Sprunghügel mit gerader Oberfläche), der mit wenig Geschwindigkeit angefahren wird. Sonja Granzow: „Hier braucht man Technik.“ Genau darum geht es an diesem Tag.

Mit Vollvisier-Helmen, Knie- und Ellebogenschonern oder Safety-Jackets ausgerüstet, nehmen 13 Frauen aus unterschiedlichen Regionen an diesem Seminar teil. Unter der Leitung von 4-Cross-Profi Sonja Granzow und Trial-Fahrerin Ann-Christin Bettenhausen (23) stehen Grundkenntnisse wie das korrekte Fahren von Kurven, Bremsverhalten und Gleichgewichtsübungen auf dem Programm sowie Übungen für Fortgeschrittene, darunter Sprünge und Drops.

Während des Seminars wurde die Sprung-Technik verbessert. Aber auch Grundlagen - wie die korrekte Sitzposition - standen auf dem Programm. Foto: Lilian Muscutt

Während des Seminars wurde die Sprung-Technik verbessert. Aber auch Grundlagen - wie die korrekte Sitzposition - standen auf dem Programm. Foto: Lilian Muscutt

Seminare und Camps für Frauen stehen hoch im Kurs. Denn immer mehr Mountainbikerinnen zieht es auf actionreiche Freeride-, Downhill- oder 4-Cross-Strecken und Northshores, die Können erfordern. „2004 war unter etwa hundert Bikepark-Fahrern eine Frau, inzwischen sind es etwa 15 Frauen“, berichtet Patrick Kühn, Leiter des Bikeparks Winterberg, der allein in der Saison 2010 von über 20.000 Personen besucht wurde. Tendenz: steigend. Viele Bikerinnen kämen nach Winterberg entweder mit ihren Partnern oder in „Mädels-Gruppen“, regelmäßig besuchten sie hier Fahrtechnik-Seminare, um Bunny-Hops, Kurventechnik oder Sprünge zu üben. Oft ziehe es ganze Familien hierher.

Stephanie Engeler (24) ist mit Denise (44) und Kristina (32) für den Tag angereist. Der Medizinstudentin aus Darmstadt, die seit ihrer Kindheit auf dem Rad unterwegs ist und seit fünf Jahren Mountainbike fährt, fallen Sprünge leicht. „Vom Gefühl her klappt das.“ In dem Seminar wolle sie nun prüfen, ob ihre Bewegungsabläufe richtig sind. Schließlich möchte sie sich weiter steigern. Dann werden Hindernisse nicht nur höher, sondern auch gefährlicher, und die Technik muss sitzen. „Außerdem wollte ich Leute kennen lernen. Da, wo ich wohne, fahren Mädchen selten Mountainbike“, erzählt Stephanie Engeler, die mit ihrem Freund und der Clique biken geht.

Auch Bettina Büttgen (38), Personal Trainer und Bilanzbuchhalterin aus Reken, meistert höhere Drops und Sprünge „intuitiv“. Warum ein Seminar – sie kann doch alles? „Nee!“, kontert sie vehement, „das muss sicherer werden!“ Bikeparks besucht die sportliche Frau „einfach, um Spaß zu haben“. Sonst fährt sie Enduro-Touren, bei denen zwar Kondition und Fahrtechnik, aber selten Sprünge eine Rolle spielen.

Die Sprung-Übungen sind vorbei, die Gruppe wendet sich dem „Droppen“ zu. Carmen Gottwald fährt einen kurzen Northshore hinab, eine Art Hühnerleiter aus Holz, zieht das Vorderrad hoch – und springt. Souveräne Landung. Klappt doch. Mit diesem Erfolgserlebnis  kehrt die Begeisterung zurück. So bereiten am Ende auch die vier Abfahrten über den Continental Track mit seinen Hügeln, Tables und Anliegerkurven große Freude. „Das Wichtigste ist, dass ich einfach mehr üben muss“, weiß die Mountainbikerin nach fünf Stunden Training. Dann funktioniert es eines Tages auch mit den Sprüngen – ganz gleich, in welchem Alter. Ganz gleich, ob Mann oder Frau. (Artikel erschien 2011 in der “Westfalenpost”)

Termine 2012 (Girls only, außer Bad Harzburg und Zeven):

 18.03. Düsseldorf: Basic I
01.04. Filthy Trails: Freeride
15.04. Göttingen: Basic I
28.04. Bad Harzburg: Basic I
05./06.05. Winterberg: Freeride
12.05. Zeven: Basic I
16.06. Willingen: Basic I
23./24.06. Göttingen: Basic I
01.07. Braunlage: Freeride
11./12.08. Winterberg: Freeride
16.09. Düsseldorf: Basic I
29.09. Zeven: Basic I
Ab Oktober Winterspezial in den Abenteuerhallen Kalk, KölnInformationen und Anmeldung bei Sonja Granzow, Team Power Flower / Kona, sonja@power-flower.de, www.power-flower.de

Infos zu den Seminaren gibt's bei Sonja Granzow unter sonja@power-flower.de. Foto: Lilian Muscutt

Infos zu den Seminaren gibt's bei Sonja Granzow unter sonja@power-flower.de. Foto: Lilian Muscutt

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