Breakdance: Mädchen battlen in Köln

Die Dirty Mamas feiern ihr 10-jähriges Jubiläum im April. Bis dahin stellt Mitglied Frieda Frost Battles auf die Beine. Foto: Dirty Mamas

Die Dirty Mamas feiern ihr 10-jähriges Jubiläum im April. Bis dahin stellt Mitglied Frieda Frost Battles auf die Beine. Foto: Dirty Mamas

Sie ist Breakdancerin, tanzt in einer eigenen Crew und stellt Events auf die Beine: Frieda Frost (27) aus Köln erzählt im XsportSisters-Interview von “Dirty Mamas” und anderen Mädchen-Crews und erklärt, warum es sich lohnt, beim Battle “Cologne Circle” am 12. November 2011 vorbeizuschauen.

Von Breakdance haben wir in den letzten Jahren nicht viel gehört. Erlebt der Tanz ein kleines Revival?

Frieda Frost: Breakdance ist der Medienbegriff, ich spreche lieber vom „Breaking”. Denn die Szene-Begriffe „B-Boying“ oder „B-Girling“ schließen jeweils das andere Geschlecht aus. 2000 und 2004 war das Breaking nochmal ganz groß in den Medien, seitdem ist der Tanz eher präsent für Leute, die sich dafür interessieren. In Deutschland war einige Jahre nicht so viel los – aber momentan gibt es wieder viele, richtig gute Crews, die international mithalten können. Super-viele Battles finden statt. Du kannst fast jedes Wochenende auf ein Battle fahren! Die Leute, die seit Jahren tanzen, organisieren die Events selbst. Deutschland hat sich da gemacht. Die Crew „Reckless Bunch“ hat zum Beispiel die deutsche Meisterschaft gewonnen vom „Battle of the Year“, bald tritt sie beim Finale in Frankreich auf internationaler Ebene an.

Welche Rolle spielen Frauen und Mädchen in der Szene?

Frieda Frost: Als ich 2002 mit dem Breaking angefangen habe – ich lebte damals in Berlin –, waren wenige Mädchen am Start. Es gab drei oder vier Mädels, mit denen ich in einem Jugendzentrum trainiert habe. Du fühltest dich unter den Jungs zwar nicht als Außenseiterin, aber als Einzelperson. Du musstest dir den Respekt erst „ertanzen“. Mittlerweile gibt es viel mehr B-Girls. Du bist keine Ausnahmeerscheinung und wirst von den Jungs schneller und einfacher respektiert. Einige Mädchen können sich auf internationalem Niveau messen. Als ich angefangen habe zu tanzen, gab es meinem Wissen nach unter den Frauen-Crews nur die „Dirty Mamas“, bei denen ich heute noch bin, und die „Female Artistics“, die sich später aufgelöst haben. Heute erlebe ich viele Nachwuchs-B-Girls, die hart trainieren, in der Szene mitmischen und eigene Crews gründen, darunter „Girls just wanna have Funk“. Weil sich immer mehr Mädchen zusammenschließen, werden sie präsenter. Auf Battles ist es normal, dass Mädchen und ihre Crews gegen die Jungs antreten. Dort sind sie zwar noch immer sehr in der Unterzahl, aber auf Jams wo es auch reine „B-Girl Battles“ gibt, sieht das anders aus. Beliebt ist auch die Battle-Disziplin „Bonnie & Clyde“ – da tanzen ein Junge und ein Mädchen zusammen in einem Team.

Erzähl uns von deiner Crew, den Dirty Mamas. Ihr feiert im April 2012 euer zehnjähriges Jubiläum!

Frieda Frost: Unsere Crew hat sich 2002 in Stuttgart gegründet, bestehend aus drei Mädchen. Ich bin 2004 dazu gestoßen. Derzeit sind wir sechs Frauen zwischen Anfang 20 und Mitte 30 aus Köln, Düsseldorf und Stuttgart – sowohl die Oldschool-Generation, als auch die neue Generation ist vertreten. Unsere Crew basiert auf Freundschaft, das ist der Hauptgedanke. Seit Jahren trainieren wir gemeinsam, fahren für Tanz-Projekte ins Ausland oder auf Battles, machen eigene Shows und erleben gemeinsam Höhen und Tiefen. Ich sehe die Crew öfter als meine eigene Familie. Das Tanzen, der Spaß und der Zusammenhalt stehen im Mittelpunkt, nicht die Leistung. Wir organisieren Events wie „Cologne Circle“, „Break de Cologne“ (beides Köln) oder Battle of the Month in Stuttgart. Wir laden Tänzer und Tänzerinnen aus dem Ausland zu Battles ein, bieten Workshops an. Damit wollen wir nicht nur die Kids und Mädchen pushen, sondern die ganze Szene.

Du steckst also viel Energie und Herzblut ins Breaking. Was ist dir daran so wichtig?

Frieda Frost: Das Breaking bedeutet für mich eine Lebenseinstellung, eine eigene Kultur! Sie kam Anfang der 80er Jahre nach Deutschland und bildet eins der vier Elemente des Hip-Hop – Rap, DJing, Graffiti, Breaking. Früher bildeten diese Elemente eine Einheit und waren auf jeder Hip-Hop-Jam dabei. Inzwischen haben sich diese Elemente ausdifferenziert und sind nur noch selten alle auf einmal auf einer Veranstaltung vertreten. Hip-Hop-Kultur hat Werte und Regeln. Dazu zählt der Respekt vor dem anderen. Wenn du andere Menschen nicht respektierst, wirst auch du nicht respektiert. Du wächst im Hip-Hop mit Normen auf. Es ist nicht so, dass wir (von den Dirty Mamas) mit riesen Baggy Pants oder wie Hip-Hop-Chicks rumlaufen: So wirst du uns nicht auf der Straße sehen. Wir machen mit unseren Klamotten deutlich, dass wir die Hip-Hop-Kultur lieben, aber der kommerzielle Hip-Hop-Gedanke ist uns fremd. Das Breaking hat uns alle geprägt. Ich studiere zum Beispiel Sport in Köln und schreibe meine Diplomarbeit über das Breaking. Unsere Leben wären anders verlaufen, wenn wir nicht tanzen würden.

Was können wir beim Cologne Circle am 12. November 2011 in Köln erleben, den du organisiert hast?

Frieda Frost: Zuerst startet das Junior-Battle für alle Kids aus der Umgebung um 16 Uhr. Es ist immer wieder super-cool zu sehen, wie die eigenen Schüler battlen und diesen Tanz anfangen zu leben! Danach folgen die Battles „3on3“ (drei tanzen gegen drei) und „7 to Smoke“. Es kommen sehr gute Tänzer aus dem Ruhrpott und Umgebung. Die Battles pushen Crews, sich bei uns anzumelden, und bewegen Tänzer und Tänzerinnen dazu, sich zu Crews zusammen zu schließen. „7 to Smoke“ ist ein Highlight, die Tänzerinnen und Tänzer müssen sich extrem unter Beweis stellen. Acht Leute treten gegeneinander an, es tanzt immer nur eine Person gegen die andere. Die Tanzeinlage ist kurz, nur ca. 30 Sekunden lang. Die Jury entscheidet sofort, wer gewonnen hat. Das geht alles sehr schnell. Hast du gewonnen, bekommst du einen Punkt und musst sofort wieder tanzen. Das ist etwa so anstrengend wie ein Sprint. Du musst zeigen, dass du Freestyle beherrschst und Kondition hast. Wer als erstes 7 Punkte hat, gewinnt das „7 to smoke“. Wir haben bereits vier Plätze mit sehr guten Tänzern besetzt. Es gibt also viel Schweiß und viele, gute Leute. Wer mitmachen will, kann sich vor Ort qualifizieren. Als Mädchen musst du dich behaupten gegen die Jungs – entweder du bist gut genug oder nicht. Da wird keine Ausnahme gemacht.

XsportSisters empfehlen: Cologne Circle, Samstag, 12. November 2011, 16 bis 23 Uhr, OT Nippes, Werkstattstr. 7, Köln. Anmeldung bei Frieda Frost, http://www.facebook.com/breakdecologne

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