Bikeparks im Test: Schlamm und Anarchie in Maribor

Von Carmen Gottwald

Urlaub in Slowenien, mein Freund, ich und unsere Räder – mitten im Traumrevier für Mountainbiker/innen. Unsere Unterkunft ist eine Stunde von Maribor entfernt. Auf keinen Fall kann ich unseren Urlaub beenden, bevor ich nicht ein Mal den Bikepark gerockt habe.

Ich bin total aufgeregt. Den Parkplatz haben wir gefunden.  Wo allerdings der Bikepark sein soll, ist nicht ganz klar. Wir packen unsere Bikes aus und schwingen uns hinauf. Man und frau möchte schließlich standesgemäß das Neuland Maribor erobern.

Ah! Da ist ein Lift, und da hinten stehen auch Bikes im Schaufenster. Auch Tickets gibt’s zu kaufen. Wir würden gerne mehr über den Bikepark und die Beschilderung erfahren. Allerdings haben die Jungs im Bikeshop wohl keine Lust uns weiterzuhelfen, und die Ticketverkäuferin ist auch nicht gerade auskunftsfreudig.

Nicht weit von uns steht ein Mädel, jünger als wir, mit coolen Bikeklamotten. Die muss doch verdammt noch mal wissen, was hier geht! Und sie scheint hoch erfreut, dass wir sie fragen. Auf  „Deutschenenglischslowenisch“ verständigen wir uns. Wow, cool: Sie besorgt uns Tickets, zeigt uns, wo sich der Bikeparkshop befindet und drückt uns einen Lageplan auf Slowenisch in die Hand. „Fahrt mit der Gondel hoch, dann einfach blaue (= leicht und flowig), rote (mit ein paar Sprüngen versehen, technisch etwas anspruchsvoller) oder schwarze Line (downhill)  folgen. Ist ganz einfach. Schilder zeigen euch den richtigen Weg“, sagt sie.

Das Mädel sollte für diesen Tag die einzige Frau sein, die wenigstens schon mal so aussah, als würde sie sich auf ihr Bike schwingen. Sonst sehe ich keine Bikerin weit und breit – außer mir. Und als ich einen Fullface-Helm ausleihen möchte, gibt es tatsächlich keinen in meiner Größe. Ist wohl noch nicht bis dorthin vorgedrungen, dass es auch Menschen mit kleineren Köpfen als Größe M gibt.

Jetzt langsam werde ich ungeduldig und will rauf auf den Berg. Endlich hat mein Freund sich die komplette Ausrüstung ausgeliehen, inklusive Downhillbike. Daheim fährt er mit seinem Hardtail Cross-Country-Touren, während ich besonders auf technisch-anspruchsvolle Abfahrten stehe und gerne in Bikeparks unterwegs bin. Ich bin gespannt, wie er sich macht.

Es wird ein wundervoller Tag, voller atemberaubender Abfahrten. Der Satz „Anarchie! Hier herrscht die totale Line-Anarchie!“ rast mir später immer wieder durch den Kopf. Ich fahre alles blau, rot, schwarz – ohne zu wissen, was ich gerade fahre. Richtiger Weg? Den gibt es in Maribor nicht. Alles ist möglich, jede Richtung ist möglich, alles gleichzeitig ist möglich! Ich nehme Sprünge mit, die ich mir nie zugetraut hätte, weil sie plötzlich vor mir liegen.

Auch die Abschlussfahrt ist perfekt. Denn es beginnt wie aus Eimern zu schütten, der Schlamm spritzt. Am Ende bin ich dreckig und völlig durchnässt. Und vor allem: glücklich.

Und mein Freund? Der hat sich wacker geschlagen –  und viel von mir gelernt.

Infos:
Hier “klick” zur Homepage vom Bikepark Pohorje

XsportSisters empfehlen das Buch “Slowenien”, Mountainbike-Touren, von Peter Immich und Michael Kemmler, 192 Seiten, 24,80 Euro plus Versandkosten, ISBN 978-3-00-023701-0, Bestellen auf www.mtb-slowenien.de

So sieht "frau" nach einer matschigen Abfahrt aus. PS. Wundert ihr euch auch immer über jene Hochglanz-Fotos, auf denen Mountainbikerinnen immer so merkwürdig gestylt aussehen? Foto: Jin Kurosawa

So sieht "frau" nach einer matschigen Abfahrt aus. PS. Wundert ihr euch auch immer über jene Hochglanz-Fotos, auf denen Mountainbikerinnen immer so merkwürdig gestylt aussehen? Foto: Jin Kurosawa

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