Knapp vorbeigesaust – Anne Kaske beim Insul Cup

Anne Kaske beim Rennen Foto: privat

Anne Kaske beim Rennen Foto: privat

Sehnsüchtig beobachtet Anne Kaske vom Streckenrand aus, wie die Rennfahrer auf ihren Rollbretter mit bis zu 75 Stundenkilometern an ihr vorbeisausen, kurz abbremsen, sich klein machen, in die Kurven legen, wieder aufrichten und weiter mit Höchstgeschwindigkeit bergab rollen. Gestern noch suchte die Wiesbadenerin selbst nach der optimalen Linie auf der 2500 Meter langen Downhill Strecke des Insul Cups – im Starterfeld von zwölf Frauen aus Deutschland, Kanada, der Schweiz, Schweden und Frankreich. Mit über 150 Fahrern aus aller Welt pilgerte sie in das beschauliche Eifeldorf Insul, das am Wochenende zum Mekka der internationalen Skateboard Downhill-Gemeinde wurde. Neben der Deutschen Meisterschaft stand das erste Mal ein Weltcuprennen auf dem Rennplan.

Anne Kaske Insul Cup 2011, Foto: Heike Müller

Anne Kaske Insul Cup 2011, Foto: Heike Müller

Am Sonntag bleibt der 28-Jährigen, die  tags zuvor im Qualifikationslauf um zwei Sekunden das Finale verfehlte, nur das Anfeuern ihrer Kolleginnen. “Wir sind zehn Frauen beim Stand-Up-Rennen und zwei mussten raus”,  bedauert sie die neue Wettkampfregelung. “Die Szene jammert über weiblichen Mangel und mir fehlt jetzt ein Trainingstag.” Platzierungen sind nicht ihr vorrangiges Ziel, aber der Spaß am Fahren und die Verbesserung der eigenen Leistung. „Dieses Cruisen, diese Schwünge, dabei fühle ich mich frei“, schwärmt die Skateboarderin. „Ich mag es, meine Kurventechnik zu verfeinern.“ 15 Mal ist sie dafür in den letzten zwei Tagen die fünf steilen Kurven abgefahren, ohne dass ihr die Puste ausging. „Das sieht aus, wie ein wenig Skateboarden, aber das geht auf den ganzen Körper. Nach dem Fahren weiß ich, welche Muskelpartien ich alle genutzt habe.“ Gerne hätte sie ihre Muskeln auch im Finale eingesetzt.

Nach dem Abschlussrennen der Frauen schaut Kaske anerkennend hinter der Gewinnerin Katie Neilson aus Kanada her. „Sie ist wirklich gut!“, bestaunt sie die Profifahrerin. Und ihr Freund Timo Mehnert resümiert: “Man merkt hier halt, wer viel fährt. Wir fahren aus Spaß. Andere machen nicht anderes.“ Vor drei Jahren schenkte der 31-Jährige seiner Freundin Anne das erste Longboard. Mit dem fuhr die Textildesignerin zunächst locker durch die Wiesbadener Innenstadt. Als ihr Partner dann mit Downhill Rennen anfing, merkte sie: “Das ist ja nicht viel anders. Du brauchst nur einen Helm und einen Lederkombi.“ Und gesteht: „Die Geschwindigkeit macht schon Spaß!“ Erstaunt ist sie über die wenigen Unfälle trotz der hohen Geschwindigkeit. „Ich fühle mich mit der Schutzkleidung sicher.“
In ihrer schwarzen Montur mit den Weiß/grünen Einsätzen nahm sie bereits letztes Jahr an ihrem ersten Rennen in Insul teil und verliebte sich in die Strecke. “Das ist eine meiner Lieblingsstrecken. Man kann richtig schnell oder ruhig rollen.” Umso mehr bedauert die Stoffentwicklerin einer großen Outdoor-Marke, dass heute kein Freeride ist, bei dem alle Fahrer auf die Strecke können. „Das macht mehr Spaß. Man kommt mehr zum Fahren!“ Die Gemeinschaft von Fahrern und Fans findet sie hingegen super familiär. „Es ist schön sie jedes Jahr wieder zu sehen!“ Dagegen ist die heimische Szene klein und nahe Trainingsstrecken rar. Am Wochenende fährt die Brettsportlerin manchmal in den Odenwald zum Melibokus, an dem eine Einbahnstraße durch den Wald bergab führt und kein Gegenverkehr droht oder in den Taunus, wo es zwar gute Strecken, aber zuviel Verkehr gibt. Da kommt das Training schon mal zu kurz. Doch das soll sich ändern, denn: „Auf Longboard Events bin ich immer in meinem Ehrgeiz angestochen!“

Ergebnisse:
1. Katie Neilson (CAN)
2. Kristina Engstrand (SWE)
3. Dasha Kornieko (CAN)
4. Rebekka Gemperle (SUI)

Beim Longboard/Skateboard Downhill suchen die Brettsportler durch gezieltes Bremsen und in die Kurve Legen die Ideallinie bergab. Dabei werden Geschwindigkeiten bis zu 75 Kilometer die Stunde erreicht. Der größte Teil der Szene fährt „Stand-Up“ stehend, während ein kleiner Teil liegend „Butboard“ liegend fährt.

Bei Downhill Skateboards liegen die Achsen weiter auseinander, sind stabiler und ruhiger gelagert als beim normalen Skateboard, die breiten Rollen verfügen über gute Bodenhaftung.

Rennen werden mit Ledermontur, Vollvisierhelm, Protektoren für Rücken, Po und Beine und mit an den Handflächen verstärkten Handschuhen gefahren, die auch Stabilisierung beim Sliden, Bremsen und bei Kurvenfahrten bieten.

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