In die Alpen? Nicht ohne meine beste Freundin!

Urlaub mit der Freundin - aber bitte mit Schlamm! Klamotten tropfen nach der Tour im Trockenraum. Foto: C. Gottwald

Urlaub mit der Freundin - aber bitte mit Schlamm! Klamotten tropfen nach der Tour im Trockenraum. Foto: C. Gottwald

Sprechen wir uns nur einen Tag lang nicht, ergreift sie mich: Die Sehnsucht nach meiner besten Freundin Carmen. Der Austausch unserer Gedanken ist inzwischen so notwendig für mich wie das tägliche Essen, Schlafen – und natürlich: Mountainbiken. Deshalb muss ein gemeinsamer Mountainbike-Urlaub unter besten Freundinnen einfach hin und wieder drin sein. Und so geht unsere Reise los – ab in die Kitzbüheler Alpen, auf nach Saalbach-Hinterglemm!

Wir freuen uns auf Touren mit interessanten Anstiegen und technisch anspruchsvollen Abfahrten. „Interessant“ – so klingt in unseren Augen das Erklimmen des „Schattbergs“. Tausend Höhenmeter am Stück bergauf sind zwar nichts Ungewöhnliches in den Alpen – aber der Steigungsgrad ist in diesem Fall nicht ohne. Die Schotterstraße führt steil hinauf, von Anfang bis Ende. So steil, dass unsere Hausherrin vor unserer Tour verwundert ausruft: „Was? Den Schattberg hoch? Den fahr’ ich nicht – das ist eine Männer-Tour!“ Dabei ist die Hausherrin eine begeisterte Tourenfahrerin. „Männer-Tour? Interessant!“, denken wir.

Los geht’s. An der ersten Alm machen wir eine Pause. Wolken ziehen am Himmel, verdecken hin und wieder die Sonne. Gleich beginnt der steile Teil der Tour. Die Wirtin macht sich Sorgen um uns. Unsere vollgefederten All-Mountain-Bikes hält sie für schwere Downhill-Räder. Ob wir nicht lieber den Lift nehmen wollen – wie die meisten Leute auch, die hoch zum Schattberg wollen? Wir erklären, dass unsere Räder wirklich nicht viel wiegen und Downhill-Rädern bloß ein bisschen ähneln. Und, ja, wir wollen nach oben. In den nächsten Tagen werden wir mit Sicherheit auch den Lift nehmen, um vom Schattberg aus entweder einen schönen Single-Trail und die X-Line zu fahren – Europas längste Freeride-Strecke. Wenigstens ein Mal wollen wir den Berg, den wir hinab heizen werden, auch erklommen haben. Die Wirtin ist überzeugt: „Ihr seid’s jung, ihr schafft das!“, ruft sie aus. Für wie alt sie uns wohl hält?, fragen wir uns. Mit 34 Jahren fühlen wir uns nicht alt – aber so jung auch nicht mehr.

Langsam, aber entschieden treten wir in die Pedalen. Carmen fährt vor mir, vorbei an grasenden Kühen und rauen Felsen. Sie bestimmt das Tempo, ich folge dicht hinter ihr, passe mich ihrem Rhythmus an. Eben, weil ich die zügigere Fahrerin bin, fahre ich nicht vor. Auf Dauer würde sich der Abstand vergrößern. Zu viel Distanz würde dem intensiven Gefühl schaden, den Berg gemeinsam zu meistern. Ein Mountainbiker ist von unserem Synchron-Fahren beeindruckt: „Wo habt ihr die Schnur aufgespannt?“, lacht er scherzhaft. Es sehe so aus, als ob ein unsichtbarer Faden uns vom Gipfel gleichmäßig nach oben ziehe. Er weiß nicht, wie Recht er hat. Der unsichtbare Faden, der uns verbindet, existiert wirklich.

Unsere innere Verbundenheit begleitet uns immer. Manchmal in Form von Gedankenübertragung. Auf etwa 2000 Metern fällt Hagel auf uns nieder, wenige Augenblicke später verwandelt sich der Hagel in Schnee. Kalter Wind pfeift uns um die Ohren, während wir auf den Westgipfel auf 2096 Metern zusteuern. „Endlich ist mir mal nicht zu heiß!“, höre ich Carmen rufen. Wahnsinn. Genau das habe ich auch gedacht. Wäre mein Freund  hier gewesen, er hätte seine Beinlinge ausgepackt. Carmen und ich empfinden kühle Temperaturen dagegen als angenehm. In kurzen Hosen kämpfen wir uns weiter nach oben.

Auf dem Gipfel genießen wir die Bergluft und die wunderschöne Aussicht. Über einen kniffeligen, schnellen Trail fahren wir hinab zur Hacklberger Alm, wo wir uns mit Kaiserschmarren stärken.

Wir haben es gemeinsam geschafft. Tausend steile Höhenmeter haben wir bezwungen, durch Sonne, Regen, Schnee und kalten Wind, um dann über Hügel, Geröll und Wurzeln lachend ins Tal zu fahren. Wenn uns künftig im Leben Traurigkeit überfällt, Unsicherheit plagt oder der Mut verlässt, werden wir an diese Momente zurück denken – und Kraft schöpfen. Hoch lebe die Freundschaft.

Tipps für den Urlaub mit der Freundin:

Zum Schlafen: Saubere, hübsche Appartements: Pension Margreiter, Telefon: (0043) (0) 6541 6553 0, office@saalbach-urlaub.com, http://www.saalbach-urlaub.com

Zum Verschnaufen: Kaiserschmarren auf der Hacklberger Alm (Portion lieber teilen, weil groß!), gemütliche Alm ohne überteuerte Gerichte, die im Anschluss an den Hacklberg-Trail liegt

Für Adrenalin-Kicks: Blue-Line und X-Line – zwei rasante Abfahrten, sehr zu empfehlen!

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