Janice Jakait rudert für den Umweltschutz

Janice Jakait rudert für den Schutz der Weltmeere. Foto: privat

Janice Jakait rudert für den Schutz der Weltmeere. Foto: privat

Für den 26. März 2011 rufen Anti-Atom-Initiativen, Umweltverbände, globalisierungskritische und friedenspolitische Organisationen bundesweit zu vier zentralen Großdemonstrationen auf. In Berlin, Hamburg, Köln und München werden Kundgebungen unter dem Motto Fukushima mahnt: Alle Atomkraftwerke abschalten! stattfinden. Die Aktion befürwortet auch Ruderin Janice Jakait (33) aus Speyer. Die XsportSisters sprachen mit der Sportlerin und Umweltschützerin über ihre kritische Haltung zur Atomkraft. Und Janice Jakait erklärt, was ihre geplante Altantik-Überquerung im Ruderboot mit Umweltschutz zu tun hat.

Sie engagieren sich für den Schutz der Weltmeere. Was ging Ihnen durch den Kopf, als Sie von der nuklearen Katastrophe in Japan hörten?
Janice Jakait:
Es war abzusehen. Es war ein Spiel auf Zeit, weil wir mit einer Form von Energiegewinnung hantieren, die wir nicht unter Kontrolle haben. Spätestens seit Tschernobyl im Jahr 1986 hätte uns klar sein müssen, dass Atomkraft auf Dauer nicht funktioniert – gerade, weil Machtinteressen im Spiel sind. Dabei haben wir andere Möglichkeiten. Ich meine nicht nur die Industrie, sondern jeden von uns, der über seinen Stromverbrauch was bewegen kann – über das Einsparen von Energie oder über die Wahl des Stromerzeugers. Ich bin der Meinung, dass wir ganz dringend aus der Atomkraft aussteigen müssen, und dass das auch Menschen merken müssen, die zuvor für die Laufzeitverlängerungen der deutschen Atommeiler eingetreten sind. Klar, wird’s teurer. Aber ein gesunder Energie-Mix ist möglich, etwa auch über Wasserenergie, die wieder für mein Projekt eine Rolle spielt.

… denn Sie möchten im Dezember 2011 den Atlantik mit dem Ruderboot überqueren. Erzählen Sie uns mehr davon.
Janice Jakait:
Zum einen geht es um Selbstverwirklichung, weil das schon immer mein Traum war. Vor allem bin ich engagiert im Umweltschutz. Die Überquerung ist eine Kampagne gegen die Lärmverschmutzung der Weltmeere. Es handelt sich dabei um ein Problem, das relativ unbekannt ist. Zum Beispiel werden Wale und Delfine tot an Land gespült, wenn militärische Sonare im Einsatz sind. Die Sonare spüren zum Beispiel U-Boote über die Erzeugung von Geräuschen und deren Reflektion auf. Früher, wenn nach Flottenmanövern wieder Tiere an den Strand gespült wurden, hat man gesagt: Das hat da nichts damit zu tun. Inzwischen ist klar, dass da ein Zusammenhang besteht. Ganze Fischgründe werden ausgelöscht. Wenn ich den Atlantik überquere, rudere ich allein, ohne Motor, ganz still auf dem Wasser. Dadurch will ich ein Zeichen setzen und das Bewusstsein für das Problem schärfen – in Zusammenarbeit  mit den Organisationen OceanCare und Deepwave.

Welche Strecke ist geplant?
Janice Jakait:
Die Strecke wurde geändert. Ich fange in Portugal an und werde quer rüber zu den Kanarischen Inseln rudern. Das sind 7000 Kilometer in vier bis fünf Monaten. Ich werde für mich allein sein, ohne Lärm, ohne Motor, ohne Begleitboot, ohne Segel.

Neben dem körperlichen Training ist dann wohl auch eine intensive psychische Vorbereitung gefragt.
Janice Jakait:
Die psychische Vorbereitung wird unterschätzt. Sie ist sogar herausfordernder als das „normale“ Training. Ich würde sogar sagen, das Verhältnis steht 80 (Psyche) zu 20 (Körper). Viele glauben mir das kaum. Aber wenn man auf dem Wasser in kritischen Situationen Angst bekommt, muss man „Werkzeuge“ haben, um sich zu behaupten. Das mentale Training ist wichtig. Denn in so einer Situation kann man nicht einfach aussteigen und eine Runde joggen. Ein Team berät mich vorher ausführlich. Es wird viel mit Selbsthypnose gearbeitet, über progressive Muskelentspannung. Diese Übungen funktionieren nicht von heute auf morgen. Progressive Muskelentspannung betreibe ich seit zwei Jahren, ich muss sie nahezu täglich machen. Aber jeder muss seine eigenen „Clicks“ finden, um in Stresssituationen klar zu kommen. Selbsthypnose ist nur ein allgemeiner Oberbegriff.

Hat Ihr Projekt aufgrund der Situation in Japan eine neue Wendung bekommen?
Janice Jakait:
Man sieht das Projekt auf einmal aus einem anderen Blickwinkel. Ich habe das Gefühl, dass Umweltschutz nun zu einem zentralen Thema geworden ist – so furchtbar der Anlass auch ist. Es zeigt sich darin, dass zum Beispiel Sie mich anrufen. Ich habe das Gefühl, dass Menschen merken, dass man etwas tun muss und dass es nicht reicht, sich am Stammtisch über „die da oben“ aufzuregen. Ich stehe da als verrückte Frau, die verrückte Sachen macht –  und bekomme positive Mails. Ich bin schüchtern, aber die Mails freuen mich: Denn es zeigt, dass nicht alle Menschen ignorant sind und einfach den Berufsalltag durchziehen und abends ins Bett fallen, sondern dass sie aktiv werden wollen.

http://www.rowforsilence.com


http://www.oceancare.org

Wer gegen Atomkraft protestieren möchte:

http://www.ausgestrahlt.de/mitmachen

Stand:      22.  März 2011

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