Weltrekordlerin Şahika (26) taucht wie ein Delfin

Şahika Ercümen (26) will im Februar den Weltrekord im Streckentauchen brechen.

Şahika Ercümen (26) will im Februar den Weltrekord im Streckentauchen brechen.

Ihre Kindheit war geprägt von schweren Asthma-Anfällen und Allergien, Besuchen in Arzt-Praxen und Krankenhaus-Aufenthalten. Heute ist Şahika  Ercümen (26) eine erfolgreiche Freitaucherin.

Im Februar 2011 hat die Türkin einen neuen Weltrekord in der Disziplin Streckentauchen aufgestellt und ist 110 Meter weit unter Eis getaucht – mit der eigenen Atemluft, ohne Sauerstoffgerät. Zuvor war die Extremsportlerin, die 2006 den türkischen Rekord im Freitauchen brach und im türkischen Nationalteam Unterwasserrugby und –hockey spielt, in Düsseldorf auf der „boot“ zu erleben.

Şahika  Ercümen war zwölf Jahre alt, als sie sich über elterliche Verbote hinwegsetzte und heimlich mit Freunden eine Wette abschloss, die langfristig ihr Leben änderte. „Wir spielten: Wer am längsten die Luft anhalten unter Wasser bleiben kann. Ich gewann“, erzählt die Türkin im Interview mit den XsportSisters. Nach langen Auseinandersetzungen mit den besorgten Eltern, die auf Warnungen von Ärzten verwiesen, setzte sich Şahika Ercümen durch und widmete sich von da an dem Wassersport in ihrer Heimatstadt Çanakkale.

Der Erfolg im Unterwasserrugby  und –hockey sowie im Freitauchen spornte an, und vor allem besserte sich ihr Gesundheitszustand. „Vielleicht aus psychologischen Gründen”, mutmaßt Şahika  Ercümen. Die Extremsportlerin denkt hin und wieder an jene Momente zurück, in denen sie das Gefühl hatte, zu ersticken. Damals gab die Krankheit den Ton an. Heute ist sie es, die ihre Atmung kontrolliert. „Ich weiß nicht, wie ich ohne den Sport überlebt hätte“, sagt sie ernst. Damit meint sie die hohe Lebensqualität, die sie heute genießt.

Wahrscheinlich haben auch jene Entspannungs- und Atemtechniken geholfen, die im Mittelpunkt des Trainings vom „Apnoe-Tauchen“ stehen. Diese stammen aus dem Yoga und helfen, die Lunge mit so viel Luft zu füllen wie möglich. Şahika  Ercümen trainiert in Wettkampf-Phasen fünf Stunden täglich, um ihre Schnelligkeit und Kondition zu verbessern. Neben Übungen im Pool stehen Joggen, Radfahren, Krafttraining sowie ein ausgedehntes Tauch-Training in Ägypten auf dem Programm.

Das Aufstellen eines neuen Weltrekords im Streckentauchen bot eine weitere Herausforderung. Denn Şahika Ercümen tauchte im Februar durch eiskaltes Wasser, um den aktuellen Rekord von „Iceman“ Christian Redl (100 Meter) zu übertreffen. „Das Anhalten der Luft ist in der Kälte sehr viel schwieriger.“ Lediglich ein dünner Neoprenanzug, der Bewegungsfreiheit garantiert, und eine Tauchflosse, die beide Füße umschließt, zählten zu ihrer Ausrüstung, als sie sich wie ein Delfin unter der Eisschicht eines zugefrorenen Sees in Österreich vorwärts bewegte.

Ein Jahr lang will sich Şahika Ercümen ausschließlich auf den Sport konzentrieren, bevor sich die studierte Gesundheits- und Ernährungsspezialistin eine feste Arbeitsstelle sucht. Weitere Promotion-Events und soziale Projekte stehen an. Die 26-Jährige will etwa ein Umweltschutz-Programm zur Rettung von Delfinen unterstützen und Freitauch-Unterricht für Menschen mit Behinderungen geben. Das Verwirklichen ihrer „Träume“ steht an erster Stelle.

Stand: 1. März 2011

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