Ran an die Wand

Peter Plück

Peter Plück

Hinter vielen Klettersport-Angeboten – ob im Breitensport oder bei Wettkämpfen – steckt der Deutsche Alpenverein (DAV). Ehrenamtliche Kräfte stemmen ein breites Freizeitprogramm, organisieren Wettkämpfe und stellen Trainingspläne auf. Aber wie sieht die Förderung kletterbegeisterter Menschen konkret aus? Darüber sprachen wir mit Peter Plück, zweiter Vorsitzender im Landesverband NRW des DAV.

Der Deutsche Alpenverein (DAV) fördert kletterbegeisterte Menschen. Wie sieht diese Förderung aus?
Peter Plück: Der Deutsche Alpenverein ist mit seinen vielen Sektionen vor Ort vertreten. Deutschlandweit haben wir über 8o0.000 Mitglieder, in Nordrhein-Westfalen um die 65.000 Mitglieder. Die stärkste Sektion ist in Köln mit 10.000 Mitgliedern. Der DAV ist ein Verein für alle, die die Natur lieben, schützen, aber auch bergsportlich erleben wollen. Daher decken wir viele „Natursportarten“ wie  Bergwandern, Klettern, Mountainbiken, Hochtouren, Skibergsteigen und Skilauf ab. Das Motto: Spitze braucht Breite, und Breite braucht Spitze. Die Sektionen in NRW machen viele interessante Angebote – zum Beispiel für das Klettern in Hallen und in der Natur. Das Angebot des DAV ist durch die ehrenamtliche Arbeit kostengünstig. Hinzu kommen die Angebote des Referats Sportklettern auf Landesebene für talentierte jungen Menschen, die Spaß daran haben, an Kletterwettbewerben teil zu nehmen.

Rica Naundorf im Finale der weiblichen Jugend B auf dem deutschen Jugendcup in Würzburg, auf dem sie den 3. Platz erreichte.

Rica Naundorf im Finale der weiblichen Jugend B auf dem deutschen Jugendcup in Würzburg, auf dem sie den 3. Platz erreichte.

Über unsere Stützpunkte, etwa in Köln, Wuppertal und Aachen, bieten wir Training mit  DOSB-lizensierten Trainern an. Ziel ist die Teilnahme an nationalen und internationalen Wettkämpfen. Hier gibt es spezifische Angebote. Um als junger Mensch  im Sportklettern national halbwegs erfolgreich zu sein, braucht es neben Begeisterungsfähigkeit und Talent auch die Disziplin, drei bis vier Mal pro Woche – also insgesamt 12 bis  16 Stunden pro Woche – systematisch zu trainieren. Hierbei unterstütze und begleite ich die Schützline mit  Trainingsplänen, Tipps, Ratschlägen, motivierenden und – wenn nötig – auch mal tröstenden Worten. Eine große Unterstützung sind die Eltern und die Verantwortlichen der Kletterhallen. Die DAV- Stützpunkte sind offen. Jeder, der das ausprobieren möchte, kann sich an die Stützpunktrainer wenden unter www.sportklettern-nrw.de. Zum Beispiel ist die Sportstudentin Kikki Scharf über einen solchen Stützpunkt zu uns gekommen. Jetzt hat sie schon bei der Westdeutschen Meisterschaft teilgenommen und wurde 12. von 19 Teilnehmerinnen.  Für den ganz jungen Nachwuchs gibt es drei bis vier Mal im Jahr in Kooperation mit den Kletterhallen die Kids Cups, die schon lange etabliert sind. Es gibt drei Altersklassen für die 8- bis 14-Jährigen. So kann man ganz früh einsteigen und den Kick des Wettbewerbs auf spielerische Art erleben.

Ehrung: Glücklicher DAV-Nachwuchs beim Jugendcup in Würzburg.

Ehrung: Glücklicher DAV-Nachwuchs beim Jugendcup in Würzburg.

Welche Erfolge hat der DAV-Nachwuchs bereits verbucht?
Peter Plück: Leuchtende Beispiele sind  Jonas Baumann, der auch Landestrainer ist, und Juliane Wurm (Vize-Europameisterin), beide sind international erfolgreich. Ana Tiripa (Westdeutsche Meisterin, B-Jugend), Rica Naundorf (Westdeutsche Meisterin, C-Jugend) und Tonje Lotta Kleinert (Westdeutsche Vizemeisterin, C-Jugend) sind über die Kids Cups damals zu uns gekommen. Sie haben durch das spezielle Training einen großen Leistungsschub erreicht.  Über Denise Plück (Westdeutsche Vizemeisterin) – meine Tochter – bin ich übrigens in den Klettersport gerutscht. Als sie mit dem Sport anfing, sind wir gemeinsam zu den Hallen gefahren. Da denkt man: Wenn die Tochter das kann, kann das der Vater vielleicht auch. Anfangs war das Ergebnis ernüchternd. Aber wenn man erste Erfolge feiert, bekommt man Lust auf mehr. Meine ganze Familie klettert inzwischen, auch meine Frau. Da liegt es nah, was wir im Urlaub machen.

Insgesamt sollen sich immer mehr Menschen für den Klettersport begeistern. Woran machen Sie diese Entwicklung fest?
Peter Plück: An der Spezialisierung und an dem stetig verbesserten Angebot. Früher gab es keine Kletterhallen. Die Menschen fuhren in die Mittelgebirge und die Eifel, um sich für die alpine Tour zu rüsten. Sie machten sich fit für die Herausforderung in den Alpen. Heute ist  das Klettern eine eigenständige Sportart, da spricht man vom Sportklettern. Es gibt eine weitere Spezialisierung, das Bouldern – sozusagen die Essenz aus dem Sportklettern. Hier hat man Schlüsselstellen, die erklettert man in einer Höhe von drei Metern ohne Seil. Es ist eine Unabhängigkeitserklärung an die alpine Herausforderung. Das Erreichen der Höhe ist ein Kick. Heute hat man die Möglichkeit, bei optimalen Bedingungen einzusteigen, also in Hallen. In den letzten Jahren hat der Bau von künstlichen Anlagen geboomt, das sehen wir in Köln. Hier und in der nahen Umgebung gibt es allein vier Hallen. Auch in Leverkusen soll eine neue Halle gebaut werden. Früher galt eine Kletterhalle mit mehr als 1000 Quadratmetern Kletterfläche schon als groß. Heute gelten andere Standards. So bietet die Bronx Rock Kletterhalle heute mit über 2500 Quadratmetern Kletterfläche 300 Kletterrouten und Boulder mit bis zu 16 Metern Höhe. Die größten Kletterhallen in Deutschland bieten heute schon bis zu 3500 Quadratmeter und bis zu 30 Meter hohe Wände. Auch das Bouldern hat zugenommen, es gibt spezialisierte Hallen in Essen, und neuerdings auch in Aachen und in Köln. Nach meinen eigenen Erfahrungen ist das Klettern hervorragend geeignet, den Rücken zu stärken.

http://www.dav-nrw.org./Landesverband/
http://www.sportklettern-nrw.de/

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