Motorsport im Blut

Michaela Braesicke hebt ab

Quadfahrerin Michaela Braesicke irritiert das “starke” Geschlecht

Am Meisten fasziniert Michaela Braesicke beim Quad-Rennen „der Kampf gegen mich selbst und der Kampf gegen andere.“ Die Anderen, das sind überwiegend Männer, denn die Radevormwalderin gehört zu der Hand voll Frauen, die in Deutschland unter Hunderten Männern Quad-Rennen fährt. Bei der neuen ADAC MX-Serie tummelt sich die 31-Jährige gegen Ende der Saison im oberen Drittel und irritiert mit ihrem achten Platz in der Gesamtwertung das starke Geschlecht. „Dafür, dass mein Ehrgeiz geweckt wird, sorgen die Männer selber. Zum Beispiel ist es als Frau doppelt schwer einen Mann zu überholen“, berichtet sie über Vorurteile und männlichen Stolz auf der Strecke. „Frau muss sich da erst einmal profilieren.“ Besonders diese Saison in der neuen Rennklasse war für sie hart. „Der Respekt kam, nachdem die Männer meine Leistung kennen gelernt haben.“

Doch neben der Strecke ist alles entspannt. Da genießt die sportliche Frau die Gemeinschaft in ihrem von  Männern dominierten Shadow Quad Racing Team. Darunter ist auch ihr eigener Mann Marc, der bereits seit acht Jahren Rennen fährt

Vier Jahren ist es her, dass Norbert Schatten eine Frau für sein Team suchte und auf Michaela Braesicke traf. Zu der Zeit hatte diese es satt, den männlichen Familienmitgliedern vom Streckenrand zuzugucken. „Motorsport liegt der Familie im Blut“ Onkel „Peppi“ Peppinghaus ist passionierter Seitenwagenfahrer und Vater Uwe Lenatz einer der ersten deutschen Quad-Pioniere. Er entdeckte Ende der 80er Jahre die Quads bei den Familienurlauben in Frankreich. Tochter Michaela verbrachte die Ferien fortan auf der Quad-Strecke. Mit sechzehn bekam sie vom Vater eine Motocross 80er und zur Volljährigkeit ein Straßen-Quad. Doch dann „wurden die Jungs wichtiger. Sie lernte ihren Mann Marc kennen, der sich schnell von der Rennleidenschaft des Schwiegervaters anstecken ließ. Als vor sieben Jahren der gemeinsame Sohn Jeremy zur Welt kam hieß es gleich: „Der wird ein Quadfahrer.“ Seine Mutter wollte dies jedoch zunächst verhindern. „Motorsport  ist nicht ohne“, weiß sie nicht erst seit einigen schweren Unfällen in der Familie. Doch mit vier hatte ihr Filius bereits sein erstes motorisiertes Vierrad und nächste Saison fährt er mit im Team. Doch zunächst ist die Mutter an der Reihe.

Motorsport im Blut 2

In den ersten Jahren fuhr sie vorwiegend im ADAC Enduro Rallye Cup. „Da bist du fast immer alleine im Gelände unterwegs. Wenn du mit dem 175 Kilo schweren Quad stecken bleibst, ist das nicht gut.“ Da kämpft sie doch lieber auf dem Rundkurs um vordere Ränge.

„Dieses Jahr hab ich mich in den neuen NRW MX-Cup verliebt.“ Nicht nur wegen der kürzeren Anfahrtswegen hat sich die neue Rennserie in ihr Herz gespielt: „Im Cup fährt eine Frau, mit der ich auf einen Level bin und mich messen kann“, freut sie sich über weibliche Konkurrenz. Mit Lenka Kalasova, versteht sie sich so gut, dass sie mit ihr nächstes Jahr an Pfingsten das 12 Stunden Rennen bestreiten will.

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