Sophia Reimers einstechendes Erlebnis

Sophia Reimers bei der WM 2010.

Sophia Reimers bei der WM 2010.

Tränen der Enttäuschung vergoss Wakeboarderin Sophia Marie Reimers bei ihrem letzten internationalen Wettkampf vor zwei Wochen in Antalya, die WWA Worlds (Wakeboard World Assosiation). Die amtierende Deutsche,  Europa- und Weltmeisterin im Cable-Wakeboarden patzte im Semi-Finale bei einer ehrgeizigen 560 Grad Drehung über den Kicker. Dabei hätte auch eine 360 Grad Drehung für ihr Weiterkommen gereicht.

„Ich war so traurig! Das war meine größte Niederlage“, gesteht die erfolgverwöhnte  Schleswigerin, die fast immer auf dem Treppchen mit der Eins steht. „Jeder fällt einmal, das gehört dazu“, versucht die 18-Jährige die für sie ungewohnte Erfahrung abzuhaken.

Doch wirklichen Grund zum Trauern hat sie wenig. Dieses Jahr gewann die Schülerin ihre vierte Deutsche Meisterschaft und die dritte Europameisterschaft in Folge plus die Weltmeisterschaft. Bei der Deutschen Meisterschaft siegte die Juniorin sogar bei Open Ladies. Bei der IWWF World Tour (International Wakeboard World Federation)  startete sie in der Türkei ebenfalls in der Frauenklasse. „Ich war so aufgeregt Ladies zu fahren. Der Level war richtig hoch“, freut sich Reimers über den Sieg. „Die Mädchen gehen derzeit völlig ab. Wir puschen uns gegenseitig und jeder merkt, da geht noch mehr“, erklärt sie die sprunghaft steigende Qualität beim Frauen-

Wakeboarden, zu der sie einiges beisteuert.

So sprang sie Ende 2009 das erste Mal einen Switch Mobius, ein bis dato männliches Privileg. Nur eine Niederländerin hatte den Rückwärtssalto mit 360 Grad Drehung zuvor gestanden. Die norddeutsche Wakeboarderin und ist damit die eine von zwei Frauen weltweit, die den Trick beherrschen. Mit männlichen Wakeboardern will sie dennoch nicht in den Vergleich. „Wir Mädchen können nicht soviel Druck aufbauen. Das ist halt mädchenhaften, halt Pussy Style.“

Für ihren sauberen Stil trainiert sie in der Saison täglich zwei bis vier Stunden an den Anlagen in Damp und Jagel. Hauptsächlich aus Spaß am Fahren und an neuen Tricks, die sie außergewöhnlich schnell lernt. „Ich hab richtig viel Ehrgeiz. Wenn ein Trick nicht klappt, mach ich ihn bis zu 30 Mal. So nah am Ziel ziehe ich durch. Dann steche ich ein/zwei Mal ein, heul kurz und fahre weiter. Das macht Leistungsport aus.“ Natürlich gibt es auch Tage, an denen ihr von der Anstrengung und den Stürzen alles weh tut. „Wasser kann hart sein wie Beton, wenn man bei 30 Stundenkilometer einsticht.“

Entschädigt wird sie dafür an anderen Tagen, an denen sie es einfach genießt locker zu fahren und mit den Freunden am See zu abzuhängen.

Die nette Gemeinschaft unter den Wakeboardern ließ sie 2005 den ersten Sommer an der Anlage verbringen. Zunächst als Groupie der coolen Jungs und Mädels. Im Jahr darauf traute sie sich bereits selbst aufs Bord und ignorierte die Witze über ihre recht uneleganten Hockstellung. Doch die war schnell Vergangenheit. 2007 gewann Reimers bereits den ersten deutschen Titel bei den Girls. „Ich war so erstaunt von dem Sport. Es war so toll jeden Tag neue Tricks zu lernen.“ Monatelang kannte die junge Frau kein anderes Thema. Für das Wakeboarden gab sie prompt das Leistungsschwimmen auf, was sie keinen Tag bereute. „Beim Schwimmen war nur Konkurrenz. Viel Neid. Wir Wakeboard Mädels sind dagegen supercool. Jeder bewundert jeden und hat seine Stärken.“ Und die liegen bei der multiplen Meisterin bei hohen Sprüngen, wie dem Switch Mobius.

Sophia Marie Reimers

geb. 08.06.1992 in Eckernförde

Beruf: Schülerin

fährt seit Juni 2006

2007 DM Girls

2008-9 DM Juniors Ladies

2010 DM Open Ladies

2008-10 EM Juniors Ladies

2010 WM Junior Ladies

2010 IWWF World Trophy Tour 1. Platz

im deutschen Nationalkader seit 2008

Hobbys: Schwimmen, Inlinen, Snowboarden, Squash

About Heike Müller