Neulich im Bikepark

„Beim nächsten Mal nimmst du dir lieber erstmal einen Bike-Guide!“ Ungefragt kommentiert ein junger Mann den heftigen Sturz mit Überschlag, den meine Freundin beim Downhill in einem Bikepark hinlegte. Auf den Spruch fehlten ihr die Worte. Nicht, weil ihr Sprachzentrum vom Abgang erschüttert war, sondern aufgrund der aufkeimenden Frage: „Was will der Typ mir eigentlich sagen?“

An einem vom Regen aufgeweichten, rutschigen Steilstück am Ende der Strecke hatte sie die Kontrolle verloren und war samt Bike über eine Absperrung den Hang hinab geflogen.

Okay, ein Fahrfehler. Kommt halt mal vor – vor allem, wenn “frau” bereits sieben Abfahrten hinter sich hat und die Konzentration nicht mehr die beste ist. „Doch wo kommt da der Guide ins Spiel?“, grübeln wir.

Stellen wir uns die gleiche Situation mit vertauschten Rollen vor: Ein geübter Fahrer stürzt, eine junge Fahrerin eilt heran und fragt mitleidig: „Bike-Guide gefällig?“ Schwer vorstellbar! Dabei gäbe es andere Kandidaten für diese Frage. Neben verdammt guten Fahrern und Fahrerinnen, tummeln sich in Bikeparks viele Hobby-Sportler, die mit geliehenen Downhill-Bikes nebst Federweg ohne Ende über Wurzeln und Felsen rollen – frei nach dem Motto: Wozu Fahrtechnik? Das Bike macht das schon!

Das ist deren Ding –  jedoch nicht unseres. Uns macht es halt Spaß, die Fahrtechnik akribisch zu studieren und zu üben. Im Gegenzug nerven Sprüche, die eine erfahrene, geübte Mountainbikerin mal eben als Anfängerin darstellen.

Für uns steht fest: Frauen sind per Geschlecht nicht automatisch Anfängerinnen, genauso wie Männer nicht unbedingt gute Mountainbiker sind. Wir Frauen müssen nur etwas an der Reaktionszeit auf Macho-Sprüche trainieren.

Zerbrecht die Klischees! Das befreit den Kopf und lässt das euphorische Grinsen am Ende eines Tages im Bikepark noch breiter werden.

Stand: 5. Oktober 2010

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