Pinar Yilmaz siegreicher Einstand im Fliegengewicht

Pinar Yilmaz hat sich zum Deutschen Meistertitel durchgeboxt. Mit XsportSisters sprach sie über ihre Konkurrenz und über die Schwierigkeit, ihr Studium mit dem Sport unter einen Hut zu bringen.

Herzlichen Glückwunsch zum deutschen Meistertitel im Fliegengewicht. Wie sind die Kämpfe in Wismar gelaufen?
Da ich nun bis 51 Kilo kämpfe, kannte ich die Gegnerinnen nicht. Die haben alles versucht, es mir es so schwer wie möglich zu machen.

War es schwer, unter 51 Kilo zu kommen?
Das war das erste große Turnier in der neuen Gewichtsklasse. Eineinhalb Wochen davor hab ich beim Minoan Frauen Cup in Griechenland noch bis 54 Kilo gekämpft. Das war dann schon hart. Aber da ich im Oktober bereits einen Kampf in 51 Kilo hatte, wusste ich, ich schaff das Gewicht. Ich hab mein Gewicht mit Hilfe der Ernährungsberatung der Sporthochschule Köln reduziert.

Warum nicht mehr bis 54 Kilo?
Ich hab mich lange in der Klasse wohl gefühlt und war erfolgreich. Aber mein Ziel ist nun mal Olympia, wo es die Gewichtsklasse nicht gibt. Daher will ich jetzt schon in die neue reinschnüffeln. Ich muss mich ja auch für Qualifikations-Turniere empfehlen. Auf der DM konnte man gut sehen, wie sich die Aufstellungen dadurch verändert haben. Die einen sind hoch, die anderen runter.

Wie findest du die olympische Aufteilung in drei Gewichtsklassen?
Ich finde es auf jeden Fall gut, das Frauenboxen olympisch wird. Das war von vornherein mein Traum. Ich hab jedoch Glück, dass ich etwas an der Gewichtsklasse ändern kann. Für viele ist das nicht möglich, die sind bereits am Limit und verfolgen ja auch das gleiche Ziel.

Wie sieht die Konkurrenz in der neuen Klasse aus?
Die 51er Klasse ist sehr stark. In den nichtolympischen Klassen ist das Niveau nicht mehr so hoch.

Wie ist deine Trainingssituation?
Pasquale Ferraro, Trainer beim Boxring Düsseldorf, hat mich auf die DM und die Länderkämpfe auf  Kreta und in der Türkei vorbereitet. Mein Verein ist aber nach wie vor der ASV.

Wie bekommst du Uni-Alltag und Training unter einen Hut?
Nicht gut! Dass sind sehr schlechte Voraussetzung für die Verbindung von Spitzensport und Universität. Es gibt kein Verständnis, keine Unterstützung. Wir reden hier über Olympia. Was soll ich denn noch leisten? Das ist doch beides von großer Priorität. Es ist ebenso eine finanzielle Katastrophe. Meine Eltern sind nicht reich, obwohl die mich immer noch unterstützen. Ich bin am Existenzminimum angelangt. Das kann doch nicht die Voraussetzung für Spitzensport sein?! Ich hab alles auf den Kopf gestellt, um finanzielle Unterstützung zu bekommen. Hab mich sogar an die Stadt gewandt. Ich musste eine Woche vor der Meisterschaft noch arbeiten. Ich bin so kaputt zur DM gefahren. Ich hab so gute Voraussetzungen für Olympia. Das ist unfair. Man kann mich doch nicht auf die Straße setzen, weil ich arm bin.

Was hast du dir für die WM im Herbst vorgenommen?
Ich fahre erst einmal im August zum EU Cup. Wenn ich da eine Medaille gewinne, fahre ich hin, Sonst könnte es sein, dass ich einen Ausscheidungskampf habe.

Wie läuft es im Nationalteam?
Die Nationalmannschaft hat im Dezember mit der Unterstützung angefangen. Das entwickelt sich jetzt erst, im Gegensatz zu anderen Ländern. Langsam fließt auch das Geld dank Olympia.

Ist deine Schulter auskuriert?
Bis jetzt lief es reibungslos. Also toi toi toi. Ich hoffe das bleibt so.

Stand: 13. Juli 2010

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