Neue Meisterin des Downhills

Sie mag steinige, schnelle Pisten und ist unter dem Namen „Düsenjet“ bekannt: Harriet Rücknagel aus Thüringen ist Deutschlands neue Meisterin im Downhill-Fahren. Die XsportSisters sprachen mit der 21-jährigen Fahrerin vom Team „OnTheEdge“ über ihren Sieg, der einen Wehmutstropfen hinterließ: Die siebenfache deutsche Meisterin Antje Kramer war  aufgrund einer Verletzung nicht angetreten.

Erstmal herzlichen Glückwunsch! Du bist Deutschlands neue Downhill-Meisterin und löst damit Antje Kramer ab, die den Titel sieben Mal in Folge gewann. Wie fühlt sich das an?

Ich finde es schade, dass Antje nicht da war. Es wäre schön gewesen, wenn ich sie geschlagen hätte. Aber vielleicht sollte es nicht so sein. Auch bei den Männern sind starke Konkurrenten nicht angetreten. Da redet keiner von. Man muss schließlich trotzdem gewinnen. Es war oft knapp. Im vergangenen Jahr bin ich gestürzt und habe zehn Sekunden verloren.

Wie war dein Lauf? Am Samstag hatte ja Sandra Rübesam die Nase vorn.

Erstmal war es richtig heiß, 38 Grad. Das war anstrengend. Die Kurven waren sehr eng abgesteckt, ich habe nicht richtig den Flow gefunden. Ich bin am Samstag beim Qualifikationslauf extra langsam gefahren, denn der Gewinner muss beim Rennen als Letzter fahren. Das ist mir bei einem anderen Rennen passiert. Ich stand damals oben auf dem Starthügel, war total nervös und habe viele Fehler gemacht. Dieses Mal war es anders.

Über dich ist wenig bekannt. Ist es schwer, als Downhill-Fahrerin wahrgenommen zu werden?

Cross Country wird in Deutschland mehr gepusht. Aber Downhill ist weiterhin mehr im kommen, glaube ich. Da wird viel Umsatz gemacht, und es ist einfach die Königsdisziplin. In Deutschland ist Fußball sehr groß, aber wir haben keine Downhill-Weltmeister. Die Disziplin wird in Ländern wie Frankreich, Australien oder Neuseeland viel größer geschrieben. In Frankreich gibt es so viele starke Fahrerinnen, da wird im Kindergarten bereits BMX-Training angeboten. Die bekommen das in die Wiege gelegt. Außerdem gibt es in Deutschland viele Regeln und Gesetze, das macht es schwierig, im Wald zu trainieren.

Wo trainierst du?

In meinem Heimatdorf, Kleineutersdorf bei Jena. Bei uns gibt es viele Mountainbiker, die haben viele Strecken gebaut, auch für 4-Cross. Ich fahre außerdem oft nach Tschechien. Das liegt nur anderthalb Stunden entfernt.

Wie geht’s weiter?

Die Deutsche Meisterschaft ist eine Sache, der Weltcup eine andere. Für den werde ich ordentlich Gas geben. Mein Ziel für dieses Jahr ist es, unter die Top 10 zu kommen. In Leogang (iXS European Cup) war ich auf dem 12. Platz. Jetzt kommen noch drei Weltcup-Rennen und die Mountainbike-Weltmeisterschaften in Kanada. Mal schauen!

www.ontheedge-team.com

Stand: 13. Juli 2010

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