Hanna liebt Technik, Risiko und weite Sprünge

Die erst 13-jährige Motocrossfahrerin Johanna Göhlich ist die Nachwuchshoffnung des MSF Kräwinklerbrücke. Beim MX-Cup ADAC Nordrhein ließ die Schülerin vergangenes Wochenende am Hahnenberg manch männliche Konkurrenz hinter sich.

Trotz Integralhelm und Schlammspritzern ist Hanna Göhlichs Gesicht die Enttäuschung anzusehen, als sie nach dem zweiten Rennen am Sonntag ihr Motorrad zum Fahrerlager schiebt. Erschöpft lässt sich die 13-Jährige in den Campingstuhl plumpsen. Sofort ist Bruder Roman an Hannas Seite und nimmt ihr liebevoll den Helm ab. Bruder Devin löst den Schulterschutz. „Scheiß auf den Sturz – LK3!“, bringt der große Bruder in knappen Formeln die Situation auf den Punkt. Denn Johanna ist zarte 13 Jahre jung und trat mit ihrer 150er KTM gegen weit ältere und schwerer motorisierte Jungs der Leistungsklasse 3 an.

Noch älteren Jungs bewies sie bereits am Samstag, was in ihr steckt: In der Veteranenklasse fuhr sie unter in der Gesamtwertung auf Platz 10 – trotz eines Sturzes kurz vor dem Ziel im zweiten Rennen. Ob das gute Ergebnis in die Gesamtwertung einfließt, weiß die junge Motocrosserin jedoch nicht, da die Damenklasse mangels Anmeldungen gestrichen wurde und sich die weiblichen Fahrer in die Männerklassen aufteilten. Die hat Hanna sogar überrundet.

Eigentlich wollte Hanna dieses Jahr richtig durchstarten und beim Ladies-Cup mitfahren, doch ihr ungebremstes Wachstum machte ihr einen Strich durch die Rechnung. In der laufenden Saison ist sie aus ihrer frisch ausgerüsteten 85er Maschine herausgewachsen und auf die 150er umgestiegen. Das war vor zwei Wochen. „Sie kommt erstaunlich gut damit klar“, weiß Roman, der zusammen mit der Schwester trainiert. „Wenn sie so weiter macht, kann sie ganz nach vorne kommen“, ist der 15-Jährige überzeugt. Als größte Stärken bescheinigt er ihr „starken Willen, und sie ist sau-ehrgeizig.“ Ohne könne man eh nicht vorne mitfahren.

Hannas Willen treibt sie auch bei 37 Grad Celsius und schmerzenden Unterarmen an. „Das letzte Rennen gestern war schlimm. Vor Schmerzen in den Armen  konnte ich das Moped kaum noch halten“, spricht Hanna und zeigt die Blasen an ihren Händen, welche das Rennen hinterlassen haben. An Aufgeben dachte sie aber nur kurz: Der Wille war stärker“, lächelt sie.

Ihren freien Willen lässt ihr auch Vater Oliver, der mit Devin, Roman und Hanna gleich drei Motocross fahrende Kinder unterstützt. „Sie ist in ihrer Rennbegeisterung schlimmer als die beiden Jungs zusammen“, weiß das Familienoberhaupt. Bereits mit drei Jahren fuhr sein Mädchen mit einem Quad  über den Hahnenberg, dann folgte die 50ccm Maschine, dann die 65 ccm, mit der sie 2005 die ersten Rennen fuhr, dann die 85 ccm – und jetzt die brandneue 150 KTM. „Der Aufwand ist riesig“, betont Hauptfinanzier Göhlich. „Ich hab meinen Kindern klar gemacht,  dass das kein Spaß ist und das Rennen an erster Stelle steht.“ Doch Hanna verzichtet gerne für ihren Sport: „Ich mag einfach alles am Motocross: Die Technik, das Risiko, das Tempo, die Sprünge und vor allem am Wochenende mit allen zusammen auf Rennen zu fahren.“

Nur schrauben mag sie nicht selber. Das machen ihr Vater und ihr größter Förderer Jupp Fuchs, der mit zu der Motocrossfamilie zählt und Hannas Talent schon früh erkannt hat, sie trainiert und an der Strecke die Platzierungen hochhält. Fuchs ist von seinem Schützling überzeugt: „In spätestens vier Jahren ist sie deutsche Meisterin.“

Stand: 9. Juli 2010

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