Niederlage motiviert

Frauen-Boxen: Auf der Deutschen Meisterschaft in Görwihl (Kreis Landshut) vom 1. bis 3. Oktober will die Schwelmerin Olivia Luczak ihren vierten Titel in Folge holen. Ihre Niederlage bei der EM motiviert die 27-jährige Vizeeuropameisterin 2007 umso mehr. International kämpft die frisch gebackene Diplomingenieurin jedoch für Polen. Denn dort erhält sie die bessere Förderung. National vertritt Olivia die Boxing Sport Union Wuppertal.

Du kommst gerade von der Europameisterschaft in der Ukraine zurück.

Leider ohne Medaille. Ich hatte zunächst Glück im Unglück. Mit einem Freilos kam ich direkt ins Viertelfinale. Hier verlor ich gegen die Russin Vera Slugina 6:5. Letztes Jahr gewann ich an gleicher Stelle ein internationales Turnier. Für mich ein gutes Omen. Über die Niederlage war ich voll unglücklich. Dann kam die Nachricht, dass ich meine Diplomarbeit in Sicherheitstechnik mit 1,3 bestanden habe.

Woran machst du die Niederlage fest?

Bei der Wertung lief nicht alles rund. Zwei meiner Treffer in der ersten Runde wurden für die Gegnerin gewertet. Aber die Russinnen sind weltspitze. Vielleicht war ich nicht präzise genug. Die Russin hatte eine perfekte Deckung. Ließ sich von mir nicht locken.

War das nicht dein Stil?

Ich bin Universalboxerin. Wenn es sein muss, gehe ich auch nach hinten. Ich passe mich dem Gegner an, ohne meinen Stil aufzugeben.

Du trittst für die polnische Nationalmannschaft an. Hast du kein Interesse für Deutschland zu kämpfen?

Mit beiden Staatsangehörigkeiten hatte ich die Wahl. 2007 fragte auch der deutsche Trainer an. Er konnte mir jedoch nicht einmal sagen, ob die deutschen Frauen bei der EM teilnehmen. Das polnische Team verfügt hingegen über einen Jahresplan. An dem konnte ich mein Studium ausrichten. Die zahlen auch alle internationalen Kämpfe. Im deutschen Team anzutreten hätte ich mir als Studentin gar nicht leisten können. Die Frauen müssen bei internationalen Wettkämpfen alles selber zahlen.

Und dass, obwohl Frauenboxen jetzt olympisch wird?

Eigentlich wollen die doch kein Frauenboxen. Ich hab gelesen, dass der DBV beinahe in die Insolvenz gegangen ist. Da werden sie ganz bestimmt kein Geld für die Frauen haben. Ich glaube nicht, dass nur eine Deutsche bei Olympia antritt.

Wirst du dabei sein?

Ich denke eher nicht. Die Quali fängt nächstes Jahr bei der WM an. Es gibt bei Olympia nur drei Gewichtsklassen mit jeweils 12 Boxerinnen. Da ist der Druck hoch. Ich müsste auf 60 Kilo kommen und mich in der neuen Gewichtsklasse auch in Polen durchboxen.

Du wirst als erfolgreichste deutsche Boxerin gehandelt.

Ich bin die erste Deutsche, die einen Vizeeuropatitel trägt. Das kommt nicht von ungefähr. Mein Trainer Monsif Gammoudi hat mich aufgebaut. Der ist mit mir zu den Wettkämpfen gefahren. Wenn alle so engagierte Trainer hätten, wären noch viel mehr erfolgreich. Keine hat so viele Kämpfe wie ich, um die 70 Stück. In Polen ist das normal. Da haben alle um die 100 Kämpfe. National ergeben sich jedoch nicht mehr soviel kämpfe.

Wie bereitest du dich auf die DM vor?

Die EM Niederlage hat mich für deutsche Meisterschaft eher motiviert. Ich versuche meine gute Kondition, die ich durch das viele Sparring für die EM aufgebaut habe zu halten. Und ich trainiere täglich mit zwei BSU-Kolleginnen, Laila Nasma und Verena Poese, die auch bei der DM antraten.

Auf wie viele Gegnerinnen triffst du in deiner Gewichtsklasse?

Im Halbweltergewicht treten sechs Frauen an. Zwei davon kenne ich. Eine davon, Yawa Schmill hat mir letztes Jahr im Finale die Nase gebrochen. Als Revanche dafür habe ich sie auf den Studentenmeisterschaften im Juni erneut besiegt.

Stand: 9. Juli 2010

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