Nach Verletzung durchgeboxt

Die Radevormwalder Boxerin Pinar Yilmaz setzt nach langer Trainingspause direkt auf große Wettkämpfe. Bei der Deutschen Meisterschaft, bei der sie sich letztes Jahr schwer verletzte, will die 21-Jährige wieder angreifen.

Sie haben vor der DM ein Jahr verletzungsbedingt Wettkamppause.

Sogar über ein Jahr. Letztes Jahr im August ist mir beim Kampf während der DM meine Schulterlippe gerissen.

Ist die Schulter wieder voll einsatzfähig?

Ich hoffe! Man kann nie wissen, ob dass vollständig verheilt. Das war sehr schmerzhaft. Ich konnte den Arm überhaupt nicht mehr bewegen und musste in der Reha von Null anfangen.

War ihre Boxkarriere in Gefahr?

Das Boxen bedeutet mir sehr viel. Die Zwangspause hat ihren Sinn gehabt, da ich mit dem Studium hinterher hing. Doch das tat schon weh, wenn ich sah, die anderen fahren zur EM oder WM.

Du trainierst neuerdings in Köln?

Mir fehlt beim ASV die Konstanz bei der Förderung. Ich fahre nach Köln und Düsseldorf, um so viel wie möglich Trainingseinheiten zu haben. Beim TUS Düsseldorf ist ein engagierter Trainer, der mich intensiv auf den Wettkampf vorbereitet.

Kannst du dir vorstellen, den Verein zu wechseln?

Nein, denn der ASV steht nach wie vor hinter mir. Sie zahlen u.a. die Anfahrten zu den Wettkämpfen.

Der Verband lässt dich ohne Vorkämpfe bei der WM antreten. Könnte das zu Missklang führen?

Ich glaube eher nicht. Bei der DM kämpfen auch die Verliererinnen. Die konnten wenigstens ihre Gegner kennenlernen.

Hast du in deiner Gewichtklasse dem Bantamgewicht mittlerweile mehr Gegnerinnen?

Die Klasse von 51 bis 54 Kilo war bereits letztes Jahr die best besetzte. Einige Juniorinnen sind aufgestiegen und andere Boxerinnen kämpfen jetzt in der niedrigeren Gewichtsklasse.

Wie bereitest du dich vor?

Ich gehe sechs Mal die Woche trainieren. Dabei mache ich viel Wettkampfsparring und intensives Konditionstraining.  Denn die Kämpfe gehen mittlerweile über vier Runden und nicht mehr über drei.

Die Fahrten nach Düsseldorf und Köln kosten viel Zeit.

Mein Vater kommt so oft es geht von Radevormwald und fährt mich zum Training. Er spielt immer noch eine große Rolle als Förderer.

Im deutschen Frauenprofiboxen hat sich viel getan. Spielst du mit dem Gedanken ins Profilager zu wechseln?

Amateurboxen hat mit Profiboxen nichts zu tun. Bei den Profis steht der Sieger vorher fest. Bei den Amateuren musst du dich durchboxen, da steht der Sport noch im Vordergrund. Ich schiele daher mehr in Richtung Olympia.

Hat sich auch im Amateurfrauenboxen etwas geändert?

Da ist alles beim Alten. Seit der Entscheidung, dass Frauenboxen olympisch wird haben wir gehofft, dass sich etwas ändert. Doch es wird nach wie vor kein Geld ins Frauenboxen investiert. Bei der EM mussten alle Kämpferinnen ihre Anfahrt und Unterbringung selber zahlen.

Bist du noch in der Nationalmannschaft?

Ich weiß nicht, ob man die so nennen kann, wenn bei der EM nur die Deutschen Meisterinnen antreten können, die dass Geld dazu haben. Wie sollen wir so für Olympia fit sein, wenn kein Geld für internationale Wettkämpfe fließt?! Nur bei der DM anzutreten und immer wieder die gleichen Gegnerinnen zu boxen bringt einen nicht weiter. Das internationale Niveau ist nämlich sehr hoch.

Welche Chancen rechnest du dir aus?

Die Meisterin Cindy Metz und auch die Vizemeisterin sind international in letzter Zeit viel rum gekommen und haben viele Erfahrungen gesammelt. Die Favoritinnen werden in der Auslosung gesetzt. Die muss man im Auge behalten. Aber natürlich versuche ich so weit wie möglich zu kommen.

DM im Amateurfrauenboxen vom 1. bis 3. Oktober in Görwihl/Landkreis Waldshut

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